Von: Marion Uhlendorff
Interview mit Prof. Dr. phil. Otto Altendorfer
"Verschulte Studienpläne"
Bundesweit streiken Schüler und Studenten nicht nur für die Abschaffung der Studiengebühren, sondern vor allem für eine Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen. Studiendekan der Hochschule Mittweida, Professor Otto Altendorfer, spricht sich für ein "Abspecken" der Studienpläne aus.
In rund 70 Städten sind am Mittwoch mehr als 100.000 Schüler und Studenten auf die Straße gegangen, um gegen die Missstände des seit 2003 beschlossenen Bachelor- und Mastersystems zu demonstrieren. In Mainz drangen Demonstranten sogar in den Landtag ein und richteten erhebliche Sachschäden an. Über die Hintergründe des Bildungsstreiks sprach medien-mittweida.de mit Professor Otto Altendorfer, Studiendekan des Fachbereichs Medien.
Wie bewerten Sie das derzeitige Bachelor- und Mastersystem? Sollten die Abschlüsse reformiert werden?
Bachelor und Master sind international etablierte Abschlüsse. Mit der Übernahme dieser Abschlüsse hat Deutschland den Anschluss an die internationale Bildungslandschaft geschafft. Ich kenne aus meiner Tätigkeit als Gutachter von Akkreditierungsagenturen keine Hochschulen, mit Ausnahme der technischen Bereiche, die sich negativ darüber geäußert haben. Wenn Deutschland nicht im Bildungsbereich weiter zweitklassig sein will, geht an Bachelor und Master auf jedem Gebiet kein Weg vorbei.
Ist die Unterrichtsstoffmenge in den sechs Semestern für einen Bachelorstudiengang angemessen? Würden Sie Änderungen an den Studienplänen vornehmen?
Die Diskussion ist hausgemacht, weil viele Universitäten und Hochschulen einfach die Diplomstudiengänge in Bachelorstudiengänge umgeschrieben haben, ohne auf die neuen Möglichkeiten einzugehen. Das hat Arbeit und Zeit gespart, allerdings auf dem Rücken der Studenten und ohne Bezug zu internationalen Gepflogenheiten. Die Devise kann nur, ähnlich wie bei den Lehrplänen der Schulen, heißen: Abspecken, auf das Wesentliche konzentrieren und andere Arbeits- und Lehrformen lehren.
Findet derzeit eine "Verschulung des Studiums" statt?
Ja. Wobei die Verschulung nicht im Bologna-System angelegt ist, das ja von vielen Wahlmöglichkeiten ausgeht. Allerdings machen es sich die Hochschulen jetzt einfach, und bieten nur verschulte Studienpläne an. Einschränkend muss dazu eben noch gesagt werden, dass dies auch mit den Ressourcen der Hochschulen zusammenhängt, die eben nicht auf eine Vielzahl von Wahlmöglichkeiten ausgelegt sind.
Wir bedanken uns für das Interview.
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