Von: Markus Drowatzky
Interview mit Oliver Schilling
Nischenprodukt in der Politik
Kleine Parteien haben es schwer Schritt zu halten. Mangelnde Bekanntheit und finanzielle Engpässe verhindern ein regelmäßiges Aufsteigen aus dem Schatten der großen Parteien. Dies stellt sich vor der Bundestagswahl einmal mehr deutlich dar.
In Zeiten des Wahlkampfes und der bald stattfindenden Bundestagswahl stehen die Parteien einmal mehr im Fokus. Dass neben den großen Parteien, bestehend aus SPD, CDU/CSU, den Linken, der FDP und den Grünen, noch weitere Parteien und politische Vereinigungen existieren, bleibt häufig im Verborgenen. Doch die Violetten, die Tierschutzpartei oder die feministische Partei sind ebenso ernst zu nehmende politische Vereinigungen, die gemeinsam für das deutsche Volk einstehen möchten. "Kleine Parteien haben es sehr schwer, in der Politik ernst genommen zu werden und vom Bürger wahrgenommen zu werden und Akzeptanz als politische Alternative und nicht als Nischenprodukt zu gelten", sagt Oliver Schilling Pressesprecher von "future! - die junge Alternative" gegenüber medien-mittweida.de.
Die Jugendpartei entstand 1997 im Magdeburger Raum und konnte seitdem 1999 und 2004 in den Magdeburger Stadtrat einziehen. Laut Schilling: "sind wir freiheitsliebende, lokalpatriotische Idealisten, die die Diskussion zum Wohle der Gemeinschaft suchen und als Partei allen Bürgern offen steht." Diese Charakterisierung sollte potentiellen Wählern zusagen, aber wie sollen diese ihre Partei wählen, wenn sie kaum etwas von deren Existenz wissen? Stellvertretend für alle anderen kleinen Parteien beschreibt Oliver Schilling die Probleme im politischen Alltag.
Kleine Parteien haben zumeist ein öffentliches Wahrnehmungsproblem, welche Mittel haben Sie, sich zu publizieren und ihren Bekanntheitsgrad für die Wähler zu erhöhen?
Wir nutzen vor allem die lokalen Medien und versuchen, durch Aktionen im öffentlichen Raum bekannt zu werden. Außerdem nehmen wir uns gezielt Bürgerprotesten an und steuern gezielt Projekte, damit wir den Bürgern als Partei ein Begriff sind.
Wie schaffen Sie es im Konzert der großen Parteien Schritt zu halten?
Es ist schwer Schritt zu halten, weil man einerseits um Akzeptanz der politischen Arbeit kämpfen muss und andererseits um die Akzeptanz als politische Kraft. Wir nehmen uns Themen an, die Menschen bewegen und von etablierten Parteien abgelehnt oder anders - falsch - eingeschätzt werden. Grundsätzlich vertreten wir Auffassungen und fordern Lösungen, die Politik für Menschen greifbar macht und sehr bodenständig, logisch, vernünftig und nachvollziehbar erscheinen.
Welche Aufgaben und Ziele haben Sie sich für die nächsten zehn Jahre gestellt?
Wir konstatieren nach zehn Jahren Stadtratsarbeit politische Erfolge. Gleichzeitig aber auch zwar steigende, aber nicht äquivalent steigende Stimmenzuwächse. Die Kommunikation unserer Arbeit ist ein wesentliches Ziel. Entscheidungen sollen wesentlich stärker vor dem Hintergrund des demographischen Wandels getroffen werden.
Trotz der errungenen politischen Erfolge auf einzelnen Sektoren bleiben die kleinen Parteien Randerscheinungen und so ungern sie das selbst hören möchten, kommen sie meist nicht über die regionalen oder sogar nur lokalen Räume hinaus. Häufig folgt nach wenigen erfolgreichen Jahren der Absturz in die politische Bedeutungslosigkeit und die anschließende Auflösung. Im Fall von "future" sieht es ähnlich aus. Seit 2006 treten sie nur noch in lokalen Dimensionen auf. Die einzige kleine Partei, die bisher erfolgreich aus der politischen Nische in höhere Gefilde aufgestiegen ist, sind Bündnis 90/ Die Grünen.
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