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Dienstag, 29. April, Alter: 2 Jahre » Zurück

Von: Franziska Kremtz

Interview mit Franziska Kremtz, die nach dem Volontariat Medienmanagement in Mittweida studiert

Vom TZ-Büro in den Hörsaal

Beilrode/Mittweida (TZ). Vom Volontär zum Redaktionsleiter - dieser Weg ist im Normalfall eher lang, beschwerlich und nicht in wenigen Monaten zu bewältigen. Die ehemalige TZ-Volontärin Franziska Kremtz hat es dennoch geschafft.

Franziska Kremtz

Platz nehmen im Chefsessel. Nach dem Interview probierte Franziska den Sessel im Büro des Chefredakteurs und warf einen Blick in die aktuelle TZ-Ausgabe. (Foto: Torgauer Zeitung/Eileen Jack)

Im August vergangenen Jahres kehrte die 23-Jährige der Heimatzeitung den Rücken, begann im Oktober ihr Studium im Fach Medienmanagement an der Hochschule Mittweida (FH) und ist seit März Redaktionsleiterin des Hochschul-Onlinemagazins. TZ traf die junge Frau, sprach mit ihr über das Studium sowie die Unterschiede zwischen Theorie und Praxis.

TZ: Du bist inzwischen im zweiten Semester. War Deine Entscheidung, doch noch zu studieren, die richtige?

Franziska Kremtz: Auf jeden Fall. Es macht viel Spaß. Und ich bin mir sicher, es ist genau das, was ich wollte.

Ist es von Vorteil, dass Du im Vorfeld intensiv Praxisluft schnuppern konntest?                                                                                                          

Ich würde sagen, das Ganze hat Vor- und Nachteile.

Dann fang doch mal mit Letzteren an.

Als nachteilig würde ich betrachten, dass ich schon eine ganze Weile aus der Schule raus bin. Von einigen Fächern, wie zum Beispiel Mathematik, habe ich viel vergessen. Da ist es schwer, sich wieder reinzufinden. Und ich muss auch erst wieder lernen zu lernen. In den ersten zwei Wochen war ich nach einem Tag voller Vorlesungen richtig kaputt.

Und wo liegen nun die Vorteile?

Also, zu erst, einmal kann ich getrost sagen, dass die Vorteile des Weges, den ich für mich gewählt habe, auf jeden Fall überwiegen. Zum einen bin ich älter, reifer und ein wenig lebenserfahrener als manch andere Studenten.

Inwiefern ist das von Vorteil für ein Studium?

Ich bin dadurch selbstbewusster und in meiner Persönlichkeit gefestigter. Sprich, durch die beiden Jahre bei der Torgauer Zeitung habe ich erkannt, was ich wirklich will. Die zwei Jahre als Volontärin und die anschließenden vier Monate als Redakteurin haben mich endgültig davon überzeugt, dass ich in der Medienbranche richtig bin. Nach der Schule hätte ich gar nicht gewusst, was ich studieren soll. So aber weiß ich sogar schon, was mich voraussichtlich nach meinem Studium erwartet.

Lässt Dich die praktische Erfahrung auch manche Lernstoffe eher verstehen?

Zum Teil schon, auch wenn du ab und an akzeptieren musst, dass Theorie halt Theorie ist und Praxis eben Praxis. Das ist nicht immer leicht. Davon abgesehen, gelingt es mir zum Teil besser als manch anderem Studenten, mit Stress umzugehen. Ich kann besser selektieren, welche Informationen aus dem Studium wirklich wichtig sind, weil ich weiß, was ich in der Praxis davon noch benötige. Das wird sicher jedem so gehen, der vor einem Studium praktische Erfahrungen gesammelt hat. Ich selbst konnte daraus aber auch noch einen ganz persönlichen Vorteil ziehen.

Welchen denn?

Da muss ich ein wenig ausholen. Mein Studiengang ist sehr praxisorientiert angelegt. Neben Praktika haben wir auch Fächer auf dem Lehrplan, die ausschließlich praktisch angelegt sind. So gibt es vier Medien, die von den Studenten betrieben werden, eine Stadt-Wochenzeitung, einen digitalen Kabel-Fernsehsender in und um Mittweida, den städtischen Radiosender 99,3 und das Internetportal www.medien-mittweida.de. Für Letzteres bin ich seit März Redaktionsleiterin.

Wie kam es dazu?

Im ersten Semester habe ich als Redakteurin für das Portal gearbeitet. Dann ist mein Professor, der das Projekt betreut, auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich nicht die Redaktion leiten möchte.

Warum Du?

Weil die Professoren für solche Positionen eben gerade Leute suchen, die praktische Vorerfahrungen haben, sprich die wissen, wie es in einer Redaktion läuft.

Und wie viele Studenten hast Du anzuleiten?

Im Durchschnitt rund 40. Pro Tag werden etwa drei neue Artikel für die Ressorts Medien, Medienstudent und Panorama geliefert. Die müssen der Chef vom Dienst und ich überarbeiten und fürs Internet freigeben.

Ist es eher selten, dass Studenten aus der Praxis ins Studium gehen?

Also, in meinem Studiengang bin ich die Einzige, die ein Volontariat gemacht hat. Aber es gibt schon einige andere, die vorher zumindest Erfahrungen in Praktika gesammelt haben. Andere sind aber auch direkt von der Schule gekommen.

Und was sagen die so nach reichlich sechs Monaten?

Es sind einige dabei, die sich nicht schlüssig sind, welcher Bereich der Medienbranche sie am meisten interessiert beziehungsweise wo sie später nach dem Studium mal Fuß fassen wollen.

Und würdest Du anderen empfehlen, es genauso wie Du zu machen, sprich erst Praxis, dann Studium?

Würde ich, und zwar vor allem jenen, die nicht genau wissen, was sie wollen. Und für mich selbst kann ich nur sagen, ich würde diesen Weg jederzeit wieder so gehen.

Gespräch: Eileen Jack

Dieser Artikel erschien am 23. April 2008 in der Torgauer Zeitung.

 



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