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Dienstag, 27. Januar, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Anja Brete

Pflegefamilien in Deutschland sind rar

Zwischen Nähe und Distanz

Im Alter von fünf Jahren kam Talea zu einer Pflegefamilie, wo sie nach wenigen Monaten starb. Das Landgericht Wuppertal verurteilte am 22. Januar 2009 die Pflegemutter zu acht Jahren Haft. Doch in vielen Fällen sind Pflegefamilien die einzige Chance in ein normales Leben zu finden.

Kinder

Zahl der Pflegekinder steigt. (Quelle: Pixelio.de / Foto: Maren Beßler)

Neugier, Fröhlichkeit, der Drang Alles zu erkunden und das leuchten der Augen beim Anblick von Süßigkeiten oder Spielzeug - Kinder haben eine natürliche Unschuld und lernen mit jedem neuen Tag. Doch im vergangenen Jahr berichteten Medien beinahe monatlich über Kindesmisshandlungen, Verwahrlosung und die Überforderung von Eltern und Jugendamt bei der Fürsorgepflicht für Kinder.

Zuflucht Pflegefamilie

Im Falle der Vernachlässigung von Kindern, Gewalt im Elternhaus oder die Überforderung der Eltern nimmt das Jugendamt Kinder in Obhut. Die vorübergehende Unterbringung der Kinder in Heimen ist in solchen Fällen in Deutschland üblich.

Eine Alternative dazu bieten Pflegefamilien. Laut Statistischem Bundesamt nehmen Ersatz- beziehungsweise Pflegefamilien rund 11 000 Kinder und Jugendliche pro Jahr auf. Die oft traumatisierten Kinder haben nur selten Liebe, Geborgenheit oder Anerkennung erlebt. Vertrauen aufzubauen ist daher für sie schwierig und oftmals ein langwieriger Prozess. "Die Arbeit lohnt sich, wenn Entwicklungen wie die ersten Schritte erkennbar sind und sich die Kinder an ein Alltagsleben gewöhnen", so eine junge Pflegemutter aus Leipzig gegenüber medien-mittweida.de

Gewalt statt Geduld

Die Schwurgerichtskammer des Landesgerichts Wuppertal verurteilte die Arzthelferin und Pflegemutter der fünfjährigen Talea zu acht Jahren Haft. Sie hatte dem kleinen Mädchen die Atemwege zugedrückt und sie anschließend im kalten Badewasser bewusstlos sitzen lassen, nachdem die Kleine eingenässt hatte. Durch die erlittene Unterkühlung starb Talea.

Der Tot Taleas brachte auch Vorwürfe gegen das Jugendamt hervor. Eine rechtlich relevante Mitschuld sei jedoch nicht festzustellen, auch wenn das Amt konsequenter hätte reagieren können, so das Gericht.

Bedarf nicht gedeckt

Die unterschiedlichen Formen der Pflege, wie zum Beispiel Dauer- und Bereitschaftspflege bieten unterschiedliche Herausforderungen für die Familien. Immer wieder wechselnde Kinder für unbekannte Zeiträume aufnehmen, sie in die Familie zu integrieren und sich ständig zwischen liebevoller Nähe und notwendiger Distanz zu bewegen ist die größte Herausforderung für die Pflege auf Zeit. "Wir begreifen die Bereitschaftspflege als Beruf, der unser Familienleben bereichert und keinen Zweifel über die Wichtigkeit unserer Tätigkeit lässt", so die überzeugende Meinung der Pflegeeltern aus Leipzig.

Hinter Zahlen von etwa 130 000 Kindern und Jugendlichen, die nicht bei ihren leiblichen Eltern leben, verbergen sich oft dramatische Schicksale. Vernachlässigung, Alkohol- und Drogensucht der Eltern oder Misshandlungen prägten das Leben der Kinder manchmal über Jahre. Feste Tagesabläufe, Sicherheit, Geborgenheit haben sie meist nicht erfahren. So wundert es nicht, wenn sie in bestimmten Situationen irrational reagieren oder übertriebene Aggressivität an den Tag legen. Auf diese entsprechend zu reagieren, Ängste zu nehmen und den guten Kontakt zu den leiblichen Eltern zu wahren ist ein Balanceakt.



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