Von: Bodo Gerlach
DDR-Geschichte in Plauen
Der lange Arm der Stasi
Das Kultur- und Kommunikationszentrum "Malzhaus" zeigt mit "Der lange Arm der Stasi – Das Malzhaus und seine IMs" eine Ausstellung, die in besonderer Art DDR-Geschichte am Beispiel des Klubs dokumentiert. Noch bis zum 13. Februar kann die Schau besucht werden.
Rund 3 500 Seiten an Stasi-Dokumenten über den Plauener Klub fanden zwei Malzhausmitarbeiter während Forschungsaufträgen für die Gauck- beziehungsweise Birthler-Behörde in den Jahren 1993 und 2006. Ein Teil dieser Funde stellt nun das Malzhaus in Plauen aus. So zeigen die chronologisch geordneten Akten und IM-Berichte vielfältig auf, wie intensiv die DDR-Staatssicherheit den von einigen Musik- und Kulturenthusiasten 1973 gegründeten Klub bespitzelte.
Alternative Szene bildete sich
Erste Aktivitäten der Gründer fanden im kleinen Kellergewölbe statt. Es folgten vielfältige Veranstaltungen wie Musikvorträge über Gospel, Soul und Blues, die auf große Resonanz bei Jugendlichen stießen. Vor allem die "unaufwändigen" Konzerte der aufkommenden Folkmusikbewegung machten das Malzhaus schnell zu einer Hochburg dieser Musikrichtung. Die weltoffene Haltung der Veranstalter gab den kritischen Texten der Gruppen Raum. Im Malzhaus bildete sich bald eine einzigartige, bunte und alternative Szene heraus.
Schnell rief dies die Staatssicherheit auf den Plan. Die ersten Spitzelberichte wurden bereits 1973 zu den Auftritten des "Singeclub Salapils" der Stadt verfasst. Im Weiteren sind Stasi-Aufzeichnungen über Konzerte regionaler Folkbands wie "Wind, Sand & Sterne", "Folkländer" und "Landluper" dokumentiert. Der Jugendklub wird mehr und mehr zu einem Anziehungspunkt für Andersdenkende. So geraten Gruppen, Besucher und vor allem die Mitglieder des Malzhausklubs ins Visier der staatlichen Überprüfung.
Sabotage der Sanierungsarbeiten
Aufschlussreich sind vor allem die Dokumente über den Leiter Hartmut Gruber und dessen engagierte Bemühungen gegen die drohende Schließung des Kellerklubs. Ein Angestellter des städtischen Denkmalschutzes tritt als Informeller Mitarbeiter (IM) "Pfleger" in Erscheinung. Dieser sabotierte in staatlichem Auftrag die Sanierungsvorhaben der "Malzhäusler".
Besonders eindrucksvoll ist die Spitzeltätigkeit des IM "Rudolf" dargestellt. Er infiltrierte die Plauener und Oelsnitzer Malzhausfreunde, weil sie Kontakte zu kritischen Pfarrern in Rudolstadt aufgenommen hatten. Durch seine Berichte trug er maßgeblich zu sechs Inhaftierungen bei. Neben Reisen oder anderen Vergünstigungen erhielt er für seine langjährigen Bespitzelungen zirka 30 000 DDR-Mark und die Verdienstmedaille in Gold der Nationalen Volksarmee (NVA). Von den Ausstellern präsentiert, zeigen ihn Stasifotos der Gauckbehörde mit Führungsoffizieren, die ihm zu einer Auszeichnung gratulieren.
Ein unübersehbares Stoffband enthält die Decknamen und dazu gehörigen Klarnamen der größtenteils enttarnten Spitzel, die von der Gründung bis zur Schließung des Malzhauses als IM aktiv waren.
Vorläufige Schließung wegen Rekonstruktion
Ulrich Wolff, Gründungsmitglied des Malzhauses, erklärt gegenüber medien-mittweida.de: "Die Stasi erreichte mit den Verhaftungen erst einmal, was sie wollte. Misstrauen zu schaffen unter Mitgliedern und Besuchern, weil jeder ein Spitzel gewesen sein könnte. Bis Mitte der 70er Jahren gab es nur Vermutungen über die Bespitzelung. Nach den 1979er Verhaftungen wuchs das Misstrauen unter den Mitgliedern."
Im Jahr 1982 wurde das Malzhaus auf Anordnung der Stasi wegen angeblicher "Rekonstruktionsmaßnahmen" geschlossen. Ziel des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR damals sei die "operative Liquidierung" der Klubaktivitäten gewesen. Eine damals übliche Formulierung der Staatsorgane. "Am Ende haben sie es jedoch nicht geschafft," freut sich Wolff. 1990 eröffneten alte und neue Klubbegeisterte das Malzhaus wieder. Heute ist es eine der ersten Kulturadressen des Vogtlandes mit Tradition und einem unverwechselbarem Gesicht.
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