Von: Daniel Greif
Kommentar zur Modellbahn-Branche
Auf Nachwuchs setzen
Die Nürnberger Spielwarenmesse ging am 10. Februar mit einem aufbauenden Ergebnis zu Ende. Die mit Märklins Insolvenz in die Schlagzeilen geratene Modellbahnindustrie sieht sich nicht mehr auf dem Abstellgleis.
Die diesjährige Messe "International Toy Fair" in Nürnberg endete am Dienstag mit einem positiven Fazit. Trotz weniger Fachbesuchern gegenüber dem Vorjahr, blieb die Auftragslage nach Veranstalterangaben gleich – trotz aktueller Wirtschafts- und Finanzkrise. Damit erfüllte die 60. Spielwarenmesse den Aufruf der Bundeskanzlerin anlässlich der Eröffnungsfeier, für die Branche und die deutsche, exportorientierte Wirtschaft positive Signale zu setzen. In den sechs Tagen kamen rund 76 000 Einkäufer und Händler aus 115 Ländern, die die gedämpften Erwartungen der Hersteller übertrafen.
Auch die Hersteller von und für die Modelleisenbahnen blicken positiver in die Zukunft, als es die vergangenen Tage vermuten ließen. Die Insolvenz von "Märklin", sogar in Person von Carl Ehmann einer der ersten Ideengeber der Spielwarenmesse 1950, erschütterte die Branche. Dem Traditionsunternehmen ging das Geld aus und es musste Insolvenz anmelden, nachdem auch Verhandlungen über neue Kredite scheiterten.
Probleme mit dem Nachwuchs
Nun gut, jedes Hobby für sich hat seinen eigenen Reiz und damit auch seine eigene Anhängerschaft. Bei den Fans von Modelleisenbahnen ist das nicht anders. Denn vergleichbar dazu leidet auch der Plastikmodellbau an den nachwachsenden Hobbyisten. Und nur mit ins Detail verliebten früheren Zugführern, die ihre Leidenschaft nun damit ausleben, und Gelegenheitsbastlern kommt nicht genug Geld in die Kassen der Hersteller.
Somit herrscht auch Einigkeit in der Branche, dass zwar weiter auf die alteingesessenen Anhänger gebaut wird, aber die eigentliche Herausforderung sich in der Förderung des Nachwuchses gestaltet. Denn damals wie heute bleibt die Modellbahn für Kinder attraktiv. Diesen Ausgleich zum Alltag zeigen vermehrt Aktionstage, wie den "Tag des Modellbaus", und auch zahlreiche Dauerausstellungen, wie das "Miniaturwunderland Hamburg", in dem viele Kinderaugen ganz groß werden.
Jammern hilft nicht
Selbst die Preise für die verschiedenen Inhalte halten sich in Grenzen, so dass sich daran die Geister nicht scheiden sollten. Denn was kosten heutzutage eine Spielekonsole und ein Handy im Vergleich zu einer Modellbahn? Was nun für ihr Kind davon das Beste ist, liegt letztlich an den Eltern. Die Branche sagt dazu, dass die Eltern zu oft "erziehungsunwillig" seien und den Nachwuchs lieber sich selbst überlassen würden oder sich um die eigene Karriere kümmern. Also ein generelles Problem heutzutage.
Roland Gaugele sagte daher auf der Spielwarenmesse: "Es wird Zeit, dass die Branche aufhört zu jammern. Durch lamentieren wird kein Einsteiger gewonnen, im Gegenteil, das Hobby verliert an Attraktivität. Zu allen Zeiten hat nicht jedes Kind den Wunsch nach einer elektrischen Eisenbahn gehabt, obwohl die Spielzeug-Alternativen deutlich weniger boten als heute". Ein guter Satz für eine spannende Zukunft auf dem hart umkämpften Kindermarkt.
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