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Montag, 16. Februar, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Horst Müller

Interview mit Stefan Rank zu den Buschfeuern in Australien

Anderer Blick auf das Leben

In Australien toben seit Wochen die schlimmsten Buschfeuer seiner Geschichte. Im Interview mit medien-mittweida.de schildert Stefan Rank, wie er die "nationale Katastrophe" erlebt. Der Mittweidaer Medienstudent ist seit Ende Januar vor Ort und wurde selbst von den Bränden überrascht.

Herald Sun

Thema Nr. 1: Die Sonntagsausgabe der Herald Sun berichtet über die Brände in Australien. (Foto: Stefan Rank / Bearbeitung: Alexander Haase)

Die Buschbrände in Australien sind seit Wochen auch Thema für die deutschen Medien. Im Fernsehen sind immer wieder Bilder von verzweifelten Menschen zu sehen, die in  ihren ausgebrannten Häusern nach letzten Habseligkeiten suchen. Die Zahl der Todesopfer gibt die "Agence France Presse" (AFP) inzwischen mit 180 an. Obwohl sich die Situation inzwischen etwas entspannt zu haben scheint, ist ein Ende der "größten nationalen Katastrophe aller Zeiten", wie der australische Premierminister Kevin Rudd die weit verbreiteten Buschbrände wiederholt nannte, immer noch nicht abzusehen. Der Mittweidaer Medienstudent Stefan Rank kam Ende Januar eher zufällig nach Australien. Eigentlich wollte er dort sein in Neuseeland absolviertes Auslandsstudium mit einem mehrwöchigen Urlaub unbeschwert abschließen. Das Feuer überraschte auch ihn.

Stefan, wie erleben Sie in Australien die Feuerkatastrophe? Sind Sie auch selbst betroffen?

Am 5. Februar machte ich mich mit drei Freunden auf den Weg nach Melbourne. Da Reisende in den einfachen Unterkünften wie "Backpacker" und "Youthhostels" unterwegs meist nur Videos sehen können, hatten wir zunächst keine Ahnung, was da wirklich passierte. Am zweiten Tag unserer Reise erlebten wir dann erstmals unverstellbar heiße Temperaturen von bis zu knapp 48 Grad. In der kleinen Stadt Sale, knapp 150 Kilometer vor Melbourne, wunderten wir uns über Straßenschilder mit der Aufschrift "Roads closed". Zudem roch es dort nach verbranntem Holz.

Das heißt - Sie waren selbst in einem Gebiet, das von der Katastrophe direkt betroffen war?

Ja. Von der "Royal Australian Air Force" (RAAF) wurden wir gewarnt, dass der Zeltplatz, auf dem wir eigentlich übernachten wollten, direkt in einer Feuerschneise läge. Wir erhielten die Auskunft, dass ein gewaltiges Buschfeuer genau auf die Kleinstadt zukommen würde. Unseren Plan, sofort nach Melbourne weiterzufahren, mussten wir schnell wieder aufgeben, weil Sale bereits von gewaltigen Buschfeuern umgeben war. Der nächste Abend war dann natürlich beängstigend, weil wir und die Einwohner nicht wussten, was da auf uns zukommen würde. Erst am übernächsten Morgen wechselte der Wind die Richtung, sodass die Kleinstadt - und wir - von dem Feuer verschont wurden.

Wie ist die Anteilnahme der nicht direkt betroffenen Bevölkerung. Hier im Fernsehen wurde ein weinender Premierminister gezeigt. Das deutet auf eine regelrechte nationale Katastrophe hin.

Ganz Australien redet von nichts anderem. Überall liegen Zeitungen aus, deren Schlagzeilen und Bildern die Leser entnehmen können, wie groß und verheerend das Ausmaß dieser Buschfeuer eigentlich ist. Und den Autos auf der Straße beweisen, dass der "Schwarze Regen" nicht zu unrecht seinen Namen trägt. Das ist mit Asche vermischter Regen, der wie schwarzer Matsch vom Himmel fällt. Auf jeden Fall war es eine Erfahrung, die ich sicherlich nicht machen musste. Trotzdem ist es spannend zu sehen, wie die Menschen damit umgehen, wie sie darauf vorbereitet zu sein scheinen, wie die Radiostationen dazu aufrufen die "Fire Plans" auszuführen, während wir bei Nieselregen durch verlassene Städte und niedergebrannte Wälder fuhren.

Wenn Sie sich in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis umhören - wer wird für die Katastrophe vor allem verantwortlich gemacht? Brandstifter, Umweltsünden - oder?

Soweit ich das verfolgt und verstanden habe, werden wohl tatsächlich  Brandstifter für die Brände verantwortlich gemacht. In Queensland soll gestern auch ein Mann unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet worden sein.

Haben die Erfahrungen mit der Katastrophe Ihre persönliche Einstellung zu Australien und seinen Bewohnern irgendwie verändert? Wie?

Ich habe gewusst, dass so etwas hier passiert und dass Australien auch nicht unbedingt das sicherste Land auf dieser Welt ist. Aber auch ich wurde irgendwie mit dieser Einstellung groß, dass alles immer nur den anderen passiert, nur eben nicht mir selber. Es war eine unglaubliche Erfahrung. Ich würde es fast schon "Bewusstseinserweiterung" nennen, sich mit Menschen zu unterhalten, die kurz davor stehen, alles zu verlieren, aber dennoch gelassen mit der Situation umgehen und Touristen wie mir Tipps geben, helfen, und sie nicht auf sich allein gestellt wieder weg schicken. Ich würde überhaupt sagen, dass mir diese acht Monate in "Down Under", also mein Aufenthalt in Neuseeland und jetzt in Australien extrem viel gegeben haben, was die Einstellung und der Umgang mit Situationen angeht. Man lernt das Leben aus einem anderen Blickwinkel kennen und wird selbst so wie die Menschen auf dem fünften Kontinent sind: "laid back" und "open minded".

Wir bedanken uns für dieses Gespräch.



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