Von: Richard Kästner
Wettkampfsport erhöht Risiko für plötzlichen Herztod
Zu Risiken und Nebenwirkungen
Zahlreiche Todesfälle junger Athleten haben herzbedingte Ursachen. Ein staatliches Überwachungsprogramm für Sportler fehlt bislang. medien-mittweida.de beleuchtet die aktuellen Fälle genauer.
Der Tod kommt unerwartet. Er schleicht sich im Schlaf an, er sucht sein Opfer in den eigenen vier Wänden auf oder er schlägt auf dem Spielfeld zu. Mitten in einem Junioren-Länderspiel bricht das 21-jährige Handballtalent Sebastian Faißt auf dem Platz zusammen und stirbt trotz Wiederbelebungsversuchen. Anderer Fall, gleiche Tragik: Der junge, scheinbar kerngesunde Profi-Radsportler Frederiek Nolf (21) legt sich am Abend der vierten Etappe der Katar-Rundfahrt schlafen und wird am nächsten Tag tot in seinem Bett gefunden. Rechtsmediziner stellen jeweils herzbedingte Todesursachen fest. Trotzdem stehen Dopingvorwürfe schnell im Raum. Warum hört das hochtrainierte Herz eines Top-Sportlers ohne vorherige Anzeichen auf zu schlagen?
Kinder und Jugendliche besonders gefährdet
Sportler sind in Italien einem landesweiten Kontrollprogramm unterworfen. An der Universität Padua untersuchte ein italienisches Forschungsteam plötzliche, herzbedingte Todesfälle zwischen 1979 und 2004. Das Team wertete dazu die Daten des staatlichen Herzscreening-Programms, eine Technik zur umfangreichen Untersuchung des Herzens aus. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass die Teilnahme am Wettkampfsport die Wahrscheinlichkeit eines Herzstillstandes erhöht. Sportaktivitäten im Kindes- und Jugendalter erhöhen das Risiko eines plötzlichen Herztodes (PHT) etwa um das Dreifache, so ein Fazit der Studie. Gleichzeitig lasse sich der PHT aber durch regelmäßige Untersuchungen und Wettkampfverbote für Gefährdete vermeiden. Doch ein staatliches Untersuchungsprogramm existiert in Deutschland bislang nicht.
Lebensgefährliche Folgen von Infekten
Gefahr drohe jungen Athleten laut Prof. Wilhelm Schänzer von der Deutschen Sporthochschule Köln vor allen Dingen durch Herztodesfälle, die in Verbindung mit nicht auskurierten Erkrankungen stehen, sagt er gegenüber medien-mittweida.de. Diese führen zu Herzmuskelentzündungen mit zum Teil irreparablen Schäden. Eine virusbedingte Herzmuskelentzündung war auch der Grund für den Tod des Leichtathleten René Herms. Der erfolgreiche, deutsche 800-Meter-Läufer wurde im Januar leblos in seiner Wohnung aufgefunden. Wer Krankheiten verschleppt und seinen Körper weiter zu stark belastet, riskiert lebensgefährliche Herzschädigungen.
Doping als Ursache nicht immer auszuschließen
Dopinganalytiker Schänzer warnt gegenüber medien-mittweida.de vor voreiligen Schlüssen auf Dopingmissbrauch: "Todesfälle in Verbindung mit Doping zu bringen, insbesondere bei jungen Sportlern, ist nur möglich, wenn eine Obduktion Hinweise darauf ergibt." Im Fall des verstorbenen Radsportlers Frederiek Nolf aus Belgien verweigerten die Eltern eine Obduktion. Die örtlichen Rechtsmediziner diagnostizierten einen natürlichen Herztod und mussten auf eingehende Untersuchungen verzichten. Prof. Wilhelm Bloch vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln zweifelt daran, dass solche Herzveränderungen eindeutig auf natürliche Ursachen zurückzuführen sind. "Bei genauen Untersuchungen lassen sich Zweifel in der einen oder anderen Richtung ausräumen. Grundsätzlich kann Dopingmissbrauch zur Herzschädigung führen, die zum Herztod führen kann.", so Bloch gegenüber medien-mittweida.de. Daten zu Todesfällen, die auf Doping zurückgeführt werden konnten, gibt es laut Schänzer bei Bodybuildern und Sportlern, die über längere Zeiten Anabolika eingenommen haben.
Sportler nicht grundsätzlich gefährdet
Bloch gibt Entwarnung, was das Risiko für Sportler angeht. Insgesamt sei es niedrig, aber bei Hochleistungssportlern mit Herzvorschädigung höher. Wenn sie Herzvorschäden haben, führen extreme Belastungen eventuell zu einem tödlichen Ereignis. Daher sollten sich Sportler mit großen Trainingsumfängen oder hohen Spitzenbelastungen regelmäßig und intensiv untersuchen lassen, um eine Gefährdung rechtzeitig festzustellen.
» Zurück
Keine Einträge
Keine Einträge im Gästebuch gefunden.





