Von: Matthias Kofahl
Jährlich 20 000 Tote und Verletzte
Minen - Überreste der Kriege
Mehr als 110 Millionen Landminen sind in über 60 Ländern vergraben. Im Zuge des Anti-Minen-Tages der UNO vom 4. April zeigt medien-mittweida.de Programme und Helfer, die sich dem Kampf gegen die tödlichen Kriegsüberreste verschrieben haben.
Verlegt und vergraben schützen Minen vermeitlich vor dem Feind. Im Krieg setzen Armeen jegliche Art von Schutz ein. Jährlich gibt es mehr als 20 000 Minenopfer, Tote und Verletzte. Das Ausgraben und Unschädlichmachen der Minen wird häufig vernachlässigt. Sie bestimmen noch Jahrzehnte nach Kriegsende das Schicksal der Bevölkerung, die versucht ihr Land wieder aufzubauen.
Minenräumung vor Ort
Die Aufgabe der Minenräumung übernehmen zumeist nicht staatliche Organisationen, die non-governmental organizations (NGOs). Der Verein HELP – Hilfe zur Selbsthilfe e.V. ist einer der Hilfsorganisationen, die in Krisengebieten humanitäre Einsätze koordinieren. Die Hilfe zur Minenräumung ist ein komplexer Vorgang. "Grundsätzlich sind wir nach den Kriegen im Einsatz", sagt Berthold Engelmann, Pressesprecher von HELP gegenüber medien-mittweida.de. Die Unterstützung von HELP besteht aus einem deutschen und einem einheimischen Team. Ein deutscher Projektkoordinator, sowie ein technischer Leiter besuchen das jeweilige Gebiet und bereiten einen Vorschlag zur Räumung vor. Nachdem für dieses Projekt ein Finanzier zur Verfügung steht, zumeist das Auswärtige Amt in Berlin, erfolgt die Bergung der Sprengkörper von einem Team aus Einheimischen. Ein Großteil sind ehemalige Militärs, die ihre Arbeit nach dem Krieg verloren haben.
Gefährliche Entschärfung
"Zu Unfällen kommt es bei der direkten Minensuche recht selten. Allerdings ist die Vernichtung des gefundenen Materials noch gefährlicher", so berichtet Engelmann von einer Bergung im Tschad, bei der die Sprengung zu früh ausgelöst wurde und es zu fünf Toten kam. Der letzte Minen-Einsatz von HELP ist bereits zwei Jahre her. Damals betreuten sie ein Projekt im Irak. "Da die Sicherheitslage sich immer mehr zuspitzte und das Auswärtige Amt die Gelder für den Einsatz entzog, musste HELP die Minenräumung vorzeitig beenden", äußerte Engelmann gegenüber medien-mittweida.de.
Auch den Wissenschaftlern fehlt das Geld
Den Forschungseinrichtungen fehlen ebenfalls Mittel, um die Techniken zur Minenbergung weiterzuentwickeln. "Es gibt keinen Forschungsstandort, bundesweit und in der EU, der sich damit noch beschäftigt", verdeutlicht Jürgen Sachs, Doktor an der TU Ilmenau und ehemaliger Leiter von DEMINE und DEMAND, gegenüber medien-mittweida.de. Diese beiden EU geförderten Projekte können mit hoch entwickelter Radar- und Sensortechnik Minen aufspüren, welche kaum noch Metallanteile besitzen. Diese sind am heimtückischsten, denn Metalldetektoren schlagen nicht auf sie an. Die Geräte sind "bis zu einem gewissen Grad entwickelt wurden, aber was soll man als Universität machen wenn die Förderung eingestellt wird?"
Kontroverse Bergungstechnik
Selbst wenn es um die unmittelbare Bedrohung von Menschenleben geht, sehen potentielle Investoren vor allem die wirtschaftlichen Aspekte. Der Markt ist zu gering und gerade arme Länder wie Kambodscha, Laos und Angola sind am stärksten vermint und können nicht selbst in die Bergungstechnik investieren. Das Paradoxe: "Mit moderner Minensuchtechnik würden wir auch das soziale Umfeld gefährden", so Jürgen Sachs, denn in kriegszerstörten Gebieten verlieren so die heimischen, konventionellen Minensucher ihre Arbeit.
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Lieber Herr Kofahl, ist doch ein schöner Artikel geworden. Viele Grüße, Berthold Engelmann