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Donnerstag, 7. Mai, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Richard Kästner

Weltgrößter Teilchenbeschleuniger bereit für Neustart

"Die Suche nach dem Unerwarteten"

In diesen Tagen schließt das CERN die Reparaturen am Large Hadron Collider (LHC), dem größten Teilchenbeschleuniger der Welt, ab. Das wohl bedeutendste Forschungsprojekt der Gegenwart könnte entscheidende Fragen zur Entstehung des Weltalls beantworten.

Ein Blick in einen der riesigen LHC-Detektoren (Quelle: flickr.com/ Foto: Image Editor)

Ein Blick in einen der riesigen LHC-Detektoren (Quelle:flickr.com/ Foto:Image Editor)

Groß war die Aufregung, als im vergangenen September die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) erstmalig ihren Teilchenbeschleuniger in Betrieb nahm. In den Medien verbreiteten Schlagwörter wie dunkle Materie und schwarze Löcher Ungewissheit und schürten Angst. Wegen eines Defekts im Kühlsystem musste der LHC damals nach nur neun Tagen für aufwendige Reparaturen abgeschaltet werden. Ein geschmolzenes Kabel hatte eine Kettenreaktion ausgelöst, die Teile des Beschleunigers beschädigte. Nun steht der zweite Anlauf des 3-Milliarden-Euro-Projekts an. Den letzten beschädigten Vierpolmagneten tauschten Techniker vergangene Woche aus. Anfang Herbst soll der erneute Dauerbetrieb starten. Bis dahin passt das CERN die Sicherheitssysteme der riesigen Anlage an, um einen erneuten Ausfall zu verhindern.

In einer unterirdischen, 27 Kilometer langen, kreisförmigen Röhre schießen die Wissenschaftler in nahezu Lichtgeschwindigkeit Protonen aufeinander. Deren Kollisionen werden mittels aufwendiger Detektoren aufgezeichnet und untersucht. Damit versuchen die Forscher unter anderem die Existenz des sogenannten Higgs-Boson zu belegen, auch "Gottesteilchen" genannt. Es erklärt, wie Teilchen zu ihrer Masse kommen. Das Higgs-Boson ist der letzte nicht experimentell nachgewiesene Abschnitt im Grundkonstrukt der Teilchenphysik.

Im Labor simulieren die Wissenschaftler des CERN außerdem mit neuester Technologie die Entstehung des Weltalls. Beim Urknall war das Universum für den billiardstel Bruchteil einer Sekunde extrem heiß und dicht. Mit dem LHC erreichen die Forscher diese Energiedichte für sehr kurze Zeit und das beliebig oft. Laut Prof. Siegfried Bethke, Direktor des Max-Planck-Institut für Physik in München, können dadurch erstmals Kernfragen der Physik untersucht werden, wie: Gibt es höhere Raumdimensionen? Woraus besteht "Dunkle Materie"? Existiert eine "Urkraft"? "Die Suche nach dem Unerwarteten treibt das Projekt", so Bethke gegenüber medien-mittweida.de.

Sorgen um Weltzerstörung unbegründet

Eine Gefährdung für die Menschheit durch schwarze Löcher und ähnliche Nebeneffekte der Experimente sieht Bethke nicht: "Die im Teilchenstrahl des LHC gespeicherte Energie entspricht der Bewegungsenergie einer Masse von 100 Tonnen bei einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde, also eines rasenden ICEs, der ja auch nicht die Welt zerstören kann." Fehlfunktionen könnten bestenfalls zu Materialschäden am LHC führen, wie im vergangenen Oktober. Es sei kein weltzerstörendes Potential vorhanden, das würden zahlreiche ernstzunehmende Studien belegen.

Bei der Entdeckung des Higgs-Boson könnte dem CERN das amerikanische Fermilab zuvorkommen. Fermilab verfügt über einen kleineren Teilchenbeschleuniger, der aber nach neuesten Erkenntnissen gerade so die nötige Energie für den Nachweis von Higgsteilchen erreichen könnte. Bethke dazu: "Wettstreit beziehungsweise Konkurrenz ist in der wissenschaftlichen Forschung einer der tragenden Faktoren zum Erfolg. Dem Fermilab-Teilchenbeschleuniger geht energetisch die Puste aus, es könnte das Higgsteilchen aber noch ankratzen."



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