Von: Matthias Kofahl
Streit in der Formel 1
Es ist ein Machtpoker
Die großen Rennställe Ferrari, Renault, Red Bull und Toyota formieren kräftigen Widerstand gegen neue Regeländerungen in der Formel 1 und drohen mit ihrem Ausstieg. FIA-Präsident Max Mosley dagegen setzt auf Neueinsteiger.
Seit dem 19. Mai liegt der Streit vor Gericht: Ferrari will eine einstweilige Verfügung gegen den Internationalen Automobil-Dachverband (FIA) erreichen. Ferrari drohte bereits, aus der Formel 1 auszusteigen, wenn die neuen Regularien tatsächlich in Kraft treten. Dabei handelt es sich um eine Budgetdeckelung auf 45 Millionen Euro. Der Präsident der FIA, Max Mosley, kündigt derweil an, keine Kompromisse einzugehen.
Sollten sich die streitenden Parteien nicht einigen, so ändert sich das Wesen der Königsklasse im Motorsport. Der Traditionsrennstall Ferrari drohte als erstes, die Rückmeldung für die Saison 2010 verstreichen zu lassen und somit aus dem Wettbewerb auszusteigen. Viele Große der Branche folgten diesem Beispiel, darunter Renault, Toyota, Red Bull und indirekt auch BMW.
Gesundschrumpfen auf ein Zehntel
Gegenstand des Streits sind die geplanten Regeländerungen, wonach das Teambudget pro Saison nur noch 45 Millionen Euro betragen darf. In den Jahren vor der aktuellen Wirtschaftskrise wurden Etats von mehr als 400 Millionen Euro durchaus akzeptiert. Aus dem Sport entwickelte sich ein regelrechtes Wettrüsten. So erklärte Max Mosley in einem SPIEGEL-Interview vom 2. März, wie viele Mitarbeiter aus Sicht der Teams nötig sind, um zwei Rennautos eine Saison lang an den Start zu bringen: "Es sind tatsächlich 1.000."
Detlef Hacke, Sportredakteur des SPIEGEL, erklärt gegenüber medien-mittweida.de das Anliegen von Max Mosley. Um eine Chancengleicheit vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise herzustellen "versucht Max Mosley die Ausgaben geringer werden zu lassen" und dass es wieder "ein Wettbewerb wird, wo es sehr darauf ankommt was die Ingenieure leisten." Bis zur jetzigen Saison liegt die Vermutung nahe, dass der Gewinner auch immer das meiste in den Sport gepumpt hat.
Ohne Ferrari keine Formel 1
Der Kontrahent Mosleys ist der Vorsitzende der "Vereinigung der Formel1-Teams" (FOTA) und Präsident von Ferrari in Personalunion. Luca Cordero di Montezemolo kennt das Gewicht seines Rennstalls im Streit um neue Regularien. "Die Formel 1 ohne Ferrari ist wie die Bundesliga ohne den FC Bayern" meint Detlef Hacke und erklärt weiter: "Diese Drohung hat eine andere Qualität als vorangegangene Streitigkeiten, das wäre eine echte Schwächung." Mosley hält mit einer Einladung an neue Teams dagegen. Diese könnten aufgrund der Budgetdeckelung erfolgreich in die Königsklasse des Rennsports einsteigen.
Aus Sicht Hackes gibt es einen weiteres Problem: "Wie will man das eigentlich kontrollieren?", fragt er, denn "für mich ist das eine Einladung schwarze Kassen zu füllen." Denn die Bezifferung einer Obergrenze von 45 Millionen Euro seien von Anfang an aufgeweicht, Ausgaben für Motoren, Fahrer und Marketing sollen darin nicht enthalten sein.
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