Von: Ina Heinrich
Interview mit Silbermond
"Melodien im Kopf"
"Sex, drugs and rock’n’roll" – solche und ähnliche Rockstar-Eskapaden sind vergeblich zu finden. Sie sind bodenständig und gehen immer noch in ihre alten Stammkneipen in Bautzen – Silbermond.
Nach über zwei Jahren Bühnenabstinenz starten sie gerade wieder voll durch. Die erste Single "Irgendwas bleibt" lag sofort auf Platz eins der deutschen Singlecharts, auch das Album "Nichts passiert" war in Deutschland, Österreich und der Schweiz Top 1 der Hitparaden.
Gerade touren sie mit der neuen Platte im Gepäck quer durch Deutschland und machten so vor kurzem in Chemnitz Halt. Im Interview mit NOVUM sprechen die vier Musiker über ihre Anfänge als Band, den stressigen Touralltag, ihr neues Album und das Zusammenleben in der Band.
Wann habt ihr mit der Musik angefangen?
Thomas: Es ist immer schwer zu sagen, wann Musik mit einem anfängt, sag ich mal so. Johannes und ich sind Brüder. Irgendwann sind wir zu unserem Vater gegangen und haben gesagt: "Du bring uns mal Gitarre spielen bei." Er hatte dann Erbarmen und hat uns in die Musikschule geschickt. Als das dann etwas zu konservativ wurde, sind wir auf E-Gitarre umgestiegen.
Stefanie: Hier mal die Kurzversion: Andreas hat von seiner Oma mit 13 ein Schlagzeug geschenkt bekommen. Ich glaube er ist ihr deswegen immer noch sehr dankbar. Ja und bei mir…beim Singen kann man das immer schwer beschreiben, wann man anfängt. Das war dann ungefähr mit 13 als wir uns in Bautzen bei einem Musicalprojekt, das sich TenSing nannte, kennengelernt haben. Dort habe ich im Chor gesungen.
Wie habt ihr euch dann als Band zusammengefunden?
Thomas: Stefanie hat es gerade schon angeschnitten. Zusammengefunden haben wir uns bei TenSing, einem Musikprojekt für Jugendliche, das es auch heute noch in Bautzen gibt. Dort war eben auch Andreas und so haben wir uns kennengelernt. Dann haben wir Stefanie kennengelernt, weil wir immer Leute brauchten, die mit uns die ganzen Stücke im Probenraum übten. Da hat es sofort gefunkt, musikalisch und auch menschlich. Und auf einmal waren wir eine Band.
Bereits im Februar habt ihr unter eurem alten Bandnamen einige neue Songs getestet. Ward ihr danach beruhigt oder eher aufgeregt was das neue Album anging?
Thomas: Naja, es war nun nicht als ein Test zu sehen. Für uns war es eine willkommene Abwechslung mal aus dem Studio rauszukommen. Es war für uns auch wichtig zu sehen, dass wir nicht komplett eingerostet sind. Von der Tendenz her, war es schon eher ein Gefühl der Erleichterung. Wir haben gemerkt, dass die neuen Songs aus live funktionieren und es hat einfach nur Spaß gemacht.
Wer ist denn nun der kreative Kopf bei euch, der die ganzen Songs schreibt?
Andreas: Da sind wir eigentlich sehr klassisch. Wir treffen uns im Proberaum, jammen einfach rum. Dabei hat Thomas, als Gitarrist, meistens schon irgendwelche Melodien im Kopf. Um die spielen wir dann eben drumrum. Dann kommt der Text hinterher. Thomas als Gitarrist ist da der Creative Head of Development.
Und wo nehmt ihr die Ideen für eure Lieder her?
Stefanie: Zum Beispiel "Nich’ mein Problem": da hat in Berlin die BVG gestreikt und niemand konnte mit der Bahn fahren. Da erwischt man sich selbst, wie man denkt ‚Zum Glück hab ich ein Auto.’ Diese wachsende Ignoranz ist ein Ding, was wir bei "Nich’ mein Problem" versucht haben, auf eine ironische Art festzuhalten. Aber es sind auch so emotionale Themen, wie bei "Die Liebe lässt mich nicht" zum Beispiel.
Nun seid ihr ja sehr lange im Tourbus unterwegs. Das heißt ihr verbringt zusammen viel Zeit auf wenig Raum. Kratzt das nicht manchmal an der Bandharmonie?
Johannes: Ich sag mal so, man arrangiert sich. Dann nimmt sicher jeder die Freiräume, die man eben mal braucht. Andreas geht zum Beispiel sehr häufig joggen. Oder man geht mal in der Stadt spazieren oder liest ein Buch. Wir kennen uns ja schon seit zehn Jahren und da weiß man, wenn der andere mal einen schlechten Tag hat und man ihm besser aus dem Weg geht.
Seit eurem ersten Album sind über fünf Jahre vergangen. Werden eure Fans auch erwachsener? Oder ist die Zielgruppe immer noch die gleiche?
Thomas: Also eine Zielgruppe haben wir für uns jetzt nicht. Wir schreiben einfach die Songs und allein der Fakt, dass es da draußen anscheinend Leute gibt, die darauf reflektieren und denen das gefällt oder die die Geschichten nachvollziehen, ist für uns schon ein großes Glück. Aber wir sehen schon, dass im Vergleich zu vor vier Jahren und durch die neue Platte schon andere Leute auf die Konzerte kommen. Trotzdem gibt es Leute, die schon bei der ersten Tour dabei waren.
Während der Aufnahmen zu eurem neuen Album habt ihr einen Podcast gedreht, mit dem die Fans jede Woche "hautnah" dabei sein konnten. Wie kam es dazu?
Johannes: Wir hatten uns dieses Mal bewusste sehr viel gelassen für das Album. Nach ein paar Monaten hatten wir dann die ersten Fanmails bekommen "Hey lebt ihr noch?" Und da haben wir uns überlegt, warum lassen wir die Fans nicht einfach per Video teilhaben, an dem was wir gerade machen. Und auch für uns persönlich ist es ganz schön, das Ganze festzuhalten, weil man so viel erlebt und sich in einem halben Jahr fragt: "Mensch, weißte noch damals?"
Apropos Fans: Was war die extremste oder außergewöhnlichste Aktion, die ein Fan für euch getan hat?
Thomas: Also es ist schon erstaunlich, welche Strapazen sich manche Leute auferlegen, um zu einem Konzert von uns zu kommen. Es gibt wirklich Leute, die fahren 1.000 Kilometer an einem Tag, um zu unseren Konzerten zu kommen. Aber so richtig krasse Sachen, wie man es klischeemäßig von anderen Bands kennt, das gibt es bei uns nicht. Was ich persönlich aber krass fand, war ein Tattoo zum Beispiel. Da haben wir jetzt schon einige gesehen. Das ist ja dann für immer, das sollte man sich also gut überlegen.
Was tut ihr um die Tour und den Stress körperlich durchzustehen?
Andreas: Ja es ist in der Tat sehr schwierig und anstrengend. Man kann sich jetzt nicht jeden Abend zusaufen. Man könnte dann zwar ein Konzert spielen, aber es wären nur 50 Prozent, von dem was wir eigentlich können. Deswegen achten wir schon auf eine gute Ernährung. Du kannst eben vor dem Auftritt kein Eisbein essen. An den freien Tage versuchen wir ein bisschen Sport zu machen, ein bisschen pumpen, ein bisschen joggen.
Für das neue Album habt ihr mit Xavier Naidoo, Jan Delay und Udo Lindenberg zusammengearbeitet. Wer steht noch auf der Wunschliste der Kooperationen?
Stefanie: Das sind schon so Typen, wo man sagt, das macht echt Spaß. Das waren auch so verschiedene Musikrichtungen, die uns musikalisch, aber auch menschlich, sehr bereichert haben. Aber es gibt schon noch Leute, die wir sehr gerne mögen. Zum Beispiel die Fantas, Die Toten Hosen.
Wie geht es jetzt nach dem Tourende weiter?
Stefanie: Im November und Dezember gibt es eine zweite Tour, weil die Maitour sehr schnell ausverkauft war. Wir wollten nicht erst den Zorn der Fans auf uns richten, die keine Karten bekommen haben. Den ganzen Sommer sind wir auf Open-Airs unterwegs, auf ein paar Festivals. Also wir sind bis kurz vor Weihnachten komplett unterwegs.
Wir bedanken uns für das Interview.

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