Von: Anja Uhlmann
Alles Bio? Klimawandel, Konsum und Kerosin
Der Klimawandel beeinflusst den Alltag schon heute
Der Klimawandel ist in den Köpfen der Menschen angekommen, denn jeder zweite Deutsche hält die Folgen der globalen Erwärmung für realistisch, gab die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bekannt. 35 Prozent der Befragten fürchten sogar noch gravierendere Folgen als bislang angenommen werden.
Das Klimabewusstsein schlägt sich in allen Bereichen des täglichen Lebens wieder. Zwei Drittel der Befragten wollen ihren Hauhalt mit Strom sparenden Geräten ausstatten und auf Stand-by-Betrieb verzichten. Regionale Produkte und Energiesparlampen stehen bei klimabewussten Käufern weiterhin hoch im Kurs. Nach der Grillsaison gaben 20 Prozent der Befragten an, zukünftig auf Fleisch zu verzichten, um den Ausstoß des schädlichen Methangases zu verhindern.
Beim Umweltschutz lässt sich sogar bares Geld sparen, denn 25 Prozent gaben an, die Wärmeisolierung ihres Heims verbessern zu wollen. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern senkt gleichzeitig die Heizkosten. Gerade in Deutschland gibt es dafür großes Potenzial, denn ein Großteil aller Wohnungen wurde noch vor 1980 errichtet und ist nur unzureichend gedämmt. Es geht auch einfacher: die Heizung einige Grad runterdrehen geht schnell und wirkt sofort. Bei seinem liebsten Kind, dem Auto, tut sich der Deutsche allerdings noch schwer: nur ein Drittel der Befragten sind bereit sich bei der Nutzung von Auto und Flugzeug einzuschränken.
Das Wiener Marktforschungsinstitut SDI-Research kam bei seiner Umfrage unter Österreichern zu ähnlichen Ergebnissen wie die GfK. Weiterhin zeigt SDI auf, wie konkrete Veränderungen des täglichen Lebens aussehen können. Bei der Urlaubswahl wird die Klimasicherheit bald sehr bedeutend sein. Es wird davon ausgegangen, dass die Energiekosten steigen, doch gleichzeitig nimmt die Versorgungssicherheit, beispielsweise durch Unwetter, ab. Neubauten werden nicht mehr nur energieorientiert errichtet, sondern müssen auch vor Extremen, wie Stürmen und Hochwasser, schützen. Sportliche Aktivitäten verlagern sich zumeist in das Innere von Gebäuden und die Angst vor so genannten Tropenkrankheiten in der Heimat steigt. Die Kosten für Nahrungsmittel werden steigen und die Sorge um Zugang zu Trinkwasser wird real.
Klimaschutz ohne den erhobenen Zeigefinger
Erste Lösungsansätze sind in Deutschland vorhanden. So will Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zwischen 2008 und 2012 jährlich 57 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid einsparen. Unter anderem möchte er Fluggesellschaften mit Emissionshandel dazu bringen, ihre Flüge besser zu organisieren, um somit Kohlenstoffdioxid zu sparen. "Es kann nicht darum gehen, den Klimaschutz gewissermaßen zu privatisieren, indem wir ihn auf den Einzelnen abwälzen", sagte Gabriel der bereits im März der "Passauer Neuen Presse". "Wenn wir so weitermachen, haben die Menschen am Ende mehr Angst vor dem Klimaschutz als vor dem Klimawandel." Bei Maßnahmen zum Klimaschutz handele sich um eine technologische Herausforderung, "die wir nicht durch Verbote und Appelle zum Konsumverzicht bewältigen können", sagte Gabriel.
Dass die Anfänge im Alltag liegen, zeigt der britische Einzelhändler Marks & Spencer mit seinem Umweltprogramm "Plan A". Im Zuge dieses Planes werden ökologische Produkte zur preiswerten Alternative gemacht. Außerdem wurden die Waschtemperaturen auf Kleidungsetiketten gesenkt, um die Umwelt zu schonen.
"Bei näherer Betrachtung der Aussagen und Erwartungen der Bevölkerung, werden in unserem eng vernetzten Wirtschaftssystem nur die wenigsten Branchen und Bereiche nicht betroffen sein. Wie immer wird es auch hier Klimaverlierer und Klimagewinner geben. Im Sinne von Wohlstand, Sicherheit und sozialem Frieden wäre es hoch an der Zeit die kritischen Bereiche vorsorglich und aktiv auf die kommenden Änderungen vorzubereiten und zu schützen", resümiert Oskar Villani von SDI-Research die Ergebnisse der Studie.
Der Klimasünder Luftfahrt wird zum Vorreiter für ökologischen Antrieb
Die Luftfahrt entwickelt sich zum Vorreiter beim Klimaschutz. Die Giganten Boeing, Air New Zealand und Rolls-Royce gaben kürzlich bekannt 2008 so genanntes Bio-Kerosin auf Testflügen mit einer Maschine der Air New Zealand einzusetzen. Der neue Treibstoff soll in der zivilen Luftfahrt eingesetzt werden, um dort die Kohlenstoffdioxid-Emissionen zu reduzieren.
Am Anfang stand die Überlegung bei Boeing eine nachhaltige und dennoch praktikable Treibstoffalternative zu entwickeln. In Zukunft soll es außerdem möglich sein herkömmliches Kerosin mit Biotreibstoffen zu mischen, um sich somit unabhängiger vom Erdöl zu machen.
"Es ist unser kurzfristiges Ziel bei dieser Pionierarbeit, nachhaltige alternative Biotreibstoffquellen für die heutigen Flugzeuge zu finden", sagte Craig Saddler, der Präsident von Boeing Australia. "Ein wichtiger erster Schritt ist die Erkennung von fortschrittlichen Treibstoffquellen, die bessere ökonomische und umweltfreundliche Leistungen für Flugzeuge erbringen, ohne Änderungen an Triebwerken oder der Treibstoff-Infrastruktur vorzunehmen."
Ein Einsatzgebiet dieser Innovation bieten die Dreamliner der Boeing 787, die ab 2008 den Flug für Passagiere angenehmer gestalten, niedrige Emissionswerte realisieren und leise Starts und Landungen ermöglichen sollen.
Nicht nur der US-amerikanische Luft- und Raumfahrtgigant Boeing, auch der britische Carrier Virgin Atlantic forscht am nachhaltigen Flugzeugtreibstoff. Virgin Atlantic kündigte bereits für das Frühjahr 2008 erste Testflüge mit einem Gemisch aus herkömmlichen und ökologischen Kerosin an.
Stefan Donnerhack, Ingenieur beim Münchner Triebwerkshersteller MTU Aero Engines, erklärte gegenüber sz-online, dass Beimengungen im niedrigen Prozentbereich unproblematisch seien. Wenn ein Kraftstoff dagegen größere Anteile von Biokerosin enthalte, bringe das Flugzeug wesentlich weniger Leistung. Der Verbrauch pro Flugkilometer sei dann also höher. Unter Umständen müssten die Tanks und die Flugzeuge größer werden, was wiederum zu einem ungleich höheren Verbrauch führen würde. Eine weitere Herausforderung für die Entwickler sind die Temperaturunterschiede. Die Motoren müssten Schwankungen zwischen minus 60 und plus 150 Grad Celsius aushalten. Bei herkömmlichen Biokraftstoffen, die auf der Basis von Rapsöl oder Biomasse hergestellt werden, könnten sich bei großer Hitze Partikel in den Leitungen absetzen.
Die neuen Treibstoffe von Boeing sollen den extremen Bedingungen besser standhalten. Allerdings sind die Umweltwirkungen von Biokraftstoffen umstritten. Beim Anbau der Pflanzen, sowie bei Transport und Verarbeitung werden Maschinen eingesetzt, die CO2 ausstoßen. Außerdem wird der Boden durch die Düngung mit Schadstoffen belastet.
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