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Mittwoch, 30. Januar, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Anja Uhlmann

Hoffnungsschimmer für den krisengeplagten EADS-Konzern

Dresdner Flugzeugbauer auf Erfolgskurs

Negative Schlagzeilen von Werksschließungen und Personalabbau haben das Image des deutsch-französischen Flugzeugbauers EADS in den vergangenen Monaten angekratzt. Für Erfolgsmeldungen sorgen die Elbe-Flugzeugwerke (EFW) aus Dresden, die flügellahmen Maschinen zu neuem Glanz verhelfen.

Werkgelände der Elbe-Flugzeugwerke (EFW)

Auf dem 250 000 Quadratmeter großen Gelände werden jedes Jahr etwa zwanzig Flugzeuge umgerüstet und verlassen die Werkshalle in neuem Glanz. (Foto: EFW)

Das Transportwesen wird als Wirtschaftszweig weltweit immer bedeutender und damit steigt auch die Nachfrage nach großen Luftfrachtern. Experten erwarten einen Bedarf von 3 000 Flugzeugen, doch deren Neuanschaffung ist sehr teuer. Das EADS-Tochterunternehmen an der Elbe nutzt eine Marktlücke. Statt auf die risikoreiche Produktion neuer Maschinen zu setzen, haben sie sich auf die Umrüstung von ausrangierten Passagierflugzeugen zu Transportflugzeugen spezialisiert.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Dresdner ganze Flugzeuge fertigen können, wie sonst nur die Hauptstandorte Hamburg und Toulouse. Sabine Klie, Pressesprecherin von EFW erklärt: "Wir rüsten die Baumuster A300-600 und A310 um. Wir sind auch weltweit die einzigen, die das tun. Durchschnittlich sind diese Maschinen 15 Jahre alt, wenn sie umgerüstet werden."

Tradition trifft auf Innovation

EADS siedelte sich nicht zufällig dort an, denn das sächsische Unternehmen glänzte schon in den 50er Jahren mit technischen Innovationen. International anerkannte Experten forschten am Standort Dresden und entwickelten das erste deutsche Düsenverkehrflugzeug, das als das modernste seiner Zeit galt. In der ehemaligen DDR setzte das Werk sowjetische Flugzeuge in Stand, bis es 1991 von der Flugzeugwerft Dresden und Airbus Deutschland übernommen wurde. 2001 wurde EADS alleiniger Gesellschafter und verlagerte zahlreiche Aufgaben westdeutscher Standorte in die sächsische Landeshauptstadt. Der Luftfahrtkonzern hatte erkannt, dass hier Kompetenz und Erfahrung im Flugzeugbau aufeinander treffen. Die Nähe zur Autobahn, zum Schienennetz und zum Flughafen Dresden-Klotzsche waren weitere Pluspunkte.

1996 rollte der erste Airbus A310 zur Umrüstung in die Hallen. Damals wie heute sind die ankommenden Passagiermaschinen keinesfalls veraltet. Der Bedarf an Frachtmaschinen und deren Anschaffungskosten sind hoch. Aus diesem Grund werden die Passagierflugzeuge nach der Hälfte ihres Lebenszyklus’ zur Frachtmaschine umfunktioniert.

Zunächst werden alle Struktur- und Systemkomponenten, wie Sitze und Fußbodengerüste, ausgebaut. Später werden so genannte Frachter-Kits, originale Airbus-Bauteile für Transportflugzeuge, eingebaut, zum Beispiel festere Bodenplatten, Frachttore und Rollbahnen für die Verladung von Containern. Im dritten Schritt werden die Bordsysteme konfiguriert und das System wird getestet. Danach sieht der Kunde sein "neues" Flugzeug zum ersten Mal und steigt zum Abnahmeflug in die Luft.

Das spezielle Know-how sorgt für volle Auftragsbücher

Zu den Kunden des Unternehmens zählen renommierte Luftfahrtkonzerne wie Egypt Air, Emirates, China Eastern, Fed-Ex und DHL. Die Nachfrage ist groß, doch EFW kann nur etwa 20 Maschinen pro Jahr umrüsten. Zudem gibt es zu wenige ausrangierte Flugzeuge. Also bringen Kunden aus Indien, China und der Türkei ihre eigenen Flugzeuge mit.

Die überschaubaren Anschaffungskosten sind nur ein Grund, warum Umrüstungen gefragt sind. Die ehemaligen Passagierflugzeuge haben ein geringes Leergewicht und können somit große Mengen zuladen. Meist werden so genannte Widebodies verwendet. Das sind Flugzeuge mit breitem Rumpfquerschnitt, die ein großes Ladevolumen haben und schnell be- und entladen werden können. Das erhöht die Wirtschaftlichkeit der Maschinen.

Die Überflieger starten durch in die Zukunft

EFW ruht sich nicht auf den Lorbeeren des Erfolgs aus. Seit 1993 forschen und entwickeln sie so genannte Sandwich-Bauteile für Innenausstattung von Airbus-Flugzeugen. Verschiedene Kabinen-Komponenten und sie Sicherheits-Cockpit-Türen stammen aus Dresden. Ebenso wie einige Bauteile des A300-600 "Beluga". Auch für das Flagschiff des Konzerns, den A380, fertigt EFW Frachtraumverkleidungen und Fußbodenplatten.

Die Zukunft hält einiges für die Mitarbeiter bereit. Das Unternehmen möchte seine Stellung im Konzern festigen und mehr Komponenten, wie Bodenplatten und Cockpit-Türen, für den Mutterkonzern fertigen. Zurzeit entwickeln die Tüftler spezielle Frachttore aus extrem leichtem Kunststoff. 2011 startet ein gemeinsames Projekt mit einem russischen Partner zur Umrüstung des A320. Das erforderliche Know-how soll aus Sachsen kommen.

Die sächsischen Flugzeugbauer haben großen Bedarf an kompetentem Nachwuchs. Um Talente schon an der Universität zu entdecken, unterhalten sie eine Kooperation mit der TU Dresden im Bereich Materialforschung. Fachkräfte mit einigen Jahren Erfahrung in der Luftfahrtindustrie sind herzlich willkommen. Gerade für "Auswanderer" ist dies eine große Chance wieder in die sächsische Heimat zurückzukehren. Sabine Klie hat einen Tipp für Interessierte: "Welche Stellen ausgeschrieben sind, findet man im EADS eRecruiting tool. Hauptsächlich suchen wir Luft- und Raumfahrttechniker oder Wirtschaftsingenieure, je nach Stellenausschreibung."



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