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Montag, 25. Februar, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Claudia Maehler

Wirtschaftsbremse Markenfälschung

Plagiate kosten 70 000 Jobs jährlich

Marken- und Produktfälschungen sind auch, oder gerade heute ein Problem für Deutschlands Wirtschaft. Auch wenn von Verbänden Aufklärung betrieben wird und Unternehmen ihre Schätze immer komplexer schützen, kämpft man im Zeitalter von ebay und Co. gegen Windmühlen.

Kommt man beim Thema Markenfälschung wirklich vorwärts? Diese Fragen stellen sich Wirtschaft, Verbände und Staat. (Foto: photocase.de)

Es ist Nacht. An einer Kreuzung laden Männer in dunkler Kleidung kartonweise  Ware ab. Ihr Kollege sitzt am Computer und stellt die Angebote ins Internet. Am anderen Ende der Leitung freut sich wenig später einer über eine Levi’s-Jeans für 30 Euro.

So oder ähnlich kann man sich wohl Markenfälschung und Produktpiraterie im Zeitalter von Internetplattformen und virtuellen Auktionsdiensten vorstellen. Durch ebay und Co. nimmt das Problem eine völlig neue Dimension an. Denn diese bieten den Markenpiraten eine anonymisierte Möglichkeit, Fälschungen an den Kunden zu bringen. Im Nachhinein lassen sich diese Wege nur schwer nachvollziehen. Laut Schätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) belaufen sich die Schäden allein in Deutschland auf rund 25 Milliarden Euro. Jährlich. Etwa 70 000 Arbeitsplätze gehen durch den Handel mit Plagiaten verloren.

Trotz Schutzbedürftigkeit noch Informationsbedarf bei Unternehmen

Doch davon lassen sich Wirtschaft und Unternehmen nicht entmutigen. In Verbänden und Vereinen wappnen sie sich und versuchen den Fälschern Einhalt zu gebieten. So auch der Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie e. V. (APM). Der Verband besteht seit zehn Jahren und ist eine Gemeinschaftsinitiative von DIHK, dem Markenverband und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Auf ihrer Homepage erklären sie der Markenfälschung mit Hilfe von Öffentlichkeitsarbeit, branchenübergreifendem Informationsaustausch und der Unterstützung von Mitgliedsunternehmen in Fällen der Verletzung des gewerblichen Schutzrechtes den Kampf.

Doris Möller, geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim APM, war von Anfang an dabei. Aus ihrer Erfahrung kann sie sagen, dass der Informationsbedarf bei Unternehmen, Verbrauchern und staatlichen Stellen immer noch sehr hoch ist. "Unternehmen legen großen Wert auf Schutz. Doch der steht meist in Konkurrenz mit dem Kostenmanagement", so Doris Möller. Demnach können die Betriebe schon bei der Entwicklung der Produkte darauf hinarbeiten, Fälschungen schwierig oder unmöglich zu machen. Auch Schutzrechte- und Risikomanagement spielen – vor allem bei größeren Unternehmen – eine entscheidende Rolle. Dies ist ebenso bei Produktionsverlagerungen zu berücksichtigen. Auch beim aktuellen Fall Nokia wurden veränderte Rahmenbedingungen, Auswirkungen auf das Image und die Mentalität der Leute am neuen Standort in Rumänien im Vorfeld genauestens untersucht.

Schutzstrategie versus Kostenmanagement

Doris Möller ist überzeugt: "Eine Strategie, die das Unternehmen vor Produktpiraterie schützt, wirkt sich positiv auf die Umsatzzahlen aus. Doch da diese Strategie Kosten – beispielsweise für die Registrierung – verursacht, wird sie vom Kostenmanagement oft nur missbilligend geduldet."

Gleichzeitig will der Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie e. V. mit verschiedenen Veranstaltungen und Wanderausstellungen an die Verbraucher appellieren. "Wir klären Käufer über die verschiedenen Plagiate auf", so Doris Möller. "Die Verbraucher müssen wissen, dass es nicht immer Schnäppchen sind, die sie einkaufen. In den meisten Fällen unterstützen sie damit die falschen Leute."
Bei allem Engagement und Anstrengungen hat Doris Möller, die auch Referatsleiterin für Kennzeichenrecht, Firmenrecht und gewerblichen Rechtsschutz des DIHK ist, die Realität vor Augen: "Den Markt der Markenfälschungen und Produktpiraterie wird man wohl nie austrocknen können."

Problemkinder Automobil- und Flugzeugbranche

Dies belegen auch Zahlen, die der deutsche Zoll auf seiner Homepage veröffentlicht. Allein die Tatsache, dass der Wert der sichergestellten Waren von 213 Millionen Euro im Jahr 2005 auf 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2006 gestiegen ist, lässt darauf schließen, dass zwar mehr Täter erwischt werden, dies aber nur die Spitze des Eisberges ist. Die üblichen Verdächtigen sind hinreichend bekannt: China, Thailand und die Türkei führen die traurige Hitliste der Herkunftsländer von Produkt- und Markenfälschungen an. Doch auch die USA stehen mit an vorderster Stelle. Indien, Japan, Polen und Tschechien liegen weit abgeschlagen dahinter.

55 Prozent der Anträge, die bei der Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz eingehen, wurden 2006 umgesetzt. Zunehmend sind auch Entscheidungen, die die Europäische Gemeinschaft (EG) betreffen darunter. Immer mehr sind auch die Sicherheitsbereiche in der Automobil- und Flugzeugbranche betroffen, stellt der Zoll anhand seiner Statistiken fest.

Von Piraten keine Spur

Bei einer Nachfrage bei verschiedenen Autoreparatur-Werkstätten und Firmen, die sich auf den Einbau von Kühlsystemen und Klimaanlagen in Autos spezialisiert haben, gab es jedoch nur positive Antworten. "Mit Markenfälschung hatten wir noch nie Probleme", berichtet auch Frau Blume von der Werkstatt Blume Roland in Markkleeberg. "Bei uns hat nur ein Bowling-Team Ärger, weil es wohl Probleme mit der Aufschrift ihrer T-Shirts gibt", so Blume. Nach Auskunft der bekannten Autoreparatur-Werkstatt A.T.U. (Auto Teile Unger) sei das Problem Markenfälschung – wenn überhaupt – eher im Einkauf angesiedelt.



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