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Donnerstag, 13. März, Alter: 4 Jahre » Zurück

Von: Peter Schmieder

Steinkohlebergbau im Saarland steht vor dem Aus

Kumpel ohne Zeche

Beinahe 4 000 Kumpel erwartet seit dem Grubenbeben am 23. Februar eine ungewissen Zukunft. Insgesamt stehen 10 000 Jobs auf dem Spiel. Nach Jahrhunderten droht dem Bergbau an der Saar das Aus. Als die Erde im Landkreis Saarlouis bebte, fielen Dachziegel von den Dächern und Fensterscheiben zersplitterten. Mehr als 1 000 Häuser wurden beschädigt. Vom Turm der St. Blasius Kirche in Saarwellingen stürzten Ornamente in die Tiefe.

Zeche

Zechen stehen vor dem Aus. (Foto: pixelio.de)

Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Die Messgeräte zeigten 4,5 Punkte auf der Richterskala. Es war das bisher schwerste Beben in Deutschland, das der Bergbau jemals ausgelöst hat.

Sofort wurde der Betrieb in der letzten verbliebenen Zeche im Saarland, dem Bergwerk Saar in Ensdorf, vorläufig eingestellt. In einer Sondersitzung des saarländischen Landtags vom 5. März erklärten die Delegierten den Abbaustopp für unbefristet. "Es darf keinen Bergbau geben, der Gesundheit und Leben gefährdet", heißt es in der von CDU, B90/Grünen und FDP gemeinsam verabschiedeten Resolution. Die alte "Bergarbeiterpartei" SPD enthielt sich ihrer Stimme.

Saarlands Ministerpräsident Peter Müller(CDU) wies daraufhin, dass ein Ende des Abbaustopps nur in Betracht kommt, wenn nicht mit Gefahren für Leib und Leben zu rechnen ist. Das gelte auch, wenn der Betreiber, die RAG (früher Deutsche Steinkohle/DKS), einen Abbau an anderer Stelle beantragt. Selbst geringfügige Grabungen, etwa zur Sicherung von Maschinen, können vorerst nicht genehmigt werden.

Ausstieg erst für 2018 geplant

3 600 Kumpel wurden sofort beurlaubt. Etwa 200 Mann fahren als Notbesetzung weiter ein, hauptsächlich um Maschinen und technische Anlagen zu warten. Lange vor dem geplanten Aus für den Steinkohlebergbau im Saarland, stehen etwa 10 000 Jobs auf dem Spiel. Die Bundesregierung hatte erst 2007 den Kohleausstieg bis zum Jahr 2018 beschlossen. Langsam, aber sicher, sollte die Fördermenge und Subventionen weiter zurückgefahren werden.

Sozialverträglich sollte der Abbau der rund 27 000 noch in deutschen Bergwerken arbeitenden Kumpel ablaufen. Geplant war es, die Wirtschaft in den betroffen Regionen weiter umzustrukturieren. "Diese Vereinbarung werde den Beschäftigen im deutschen Bergbau die nötige Sicherheit geben", sagte Bundeswirtschaftminister Michael Glos (CSU) vor einem Jahr. Eine Sicherheit auf die die Kumpel im Bergwerk Saar nun nicht mehr bauen können.

Probleme seit langem bekannt

Bemerkenswert ist, dass Ministerpräsident Peter Müller immer wieder einen Kohleausstieg noch vor 2014 forderte, nun aber völlig unvorbereitet vor der jetzigen Situation steht. Auch berichtet der Landesverband für Bergbaubetroffene Saar e.V. von fast täglichen Erschütterungen.

Anders als im Ruhrgebiet besteht die Erdschicht über den Hohlräumen aus widerstandsfähigem Sandstein. Diese Schicht hält dem Gewicht, der über ihr gelagerten Sedimente lange stand, stürzt dann aber flächendeckend in die verlassenen Schächte.Dies führt dann zu viel größeren Eruptionen als im Abbaugebiet an der Ruhr, wo es meist zu relativ unmittelbaren, aber deutlich kleineren Einstürzen kommt. Diese geologischen Gegebenheiten sind seit langem bekannt. Um so verwunderlicher ist es, dass kein "Plan B", weder von der Landesregierung noch von der RAG, für die jetzt eingetroffene Situation vorliegt.

Berlin muss helfen

So wendet sich Müller hilfesuchend als erstes nach Berlin. Gemeinsam mit dem saarländischen SPD-Landeschef Heiko Maas, sprachen sie bei Wirtschaftsminister Gloß und Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) vor. 150 Millionen vom Bund und 20 Millionen aus dem europäischen Sozialfond (SWS) jährlich, jeweils für eine Laufzeit von drei Jahren fordert Müller, falls es zu einem endgültigen Abbaustopp kommt. Gloß sagte eine Prüfung der Forderungen zu, sieht aber genau wie Minister Scholz als erstes die RAG in der Pflicht. Diese prüft neue Technologien, um den Steinkohlbergbau gefahrlos weiterzuführen. Mit Sprengungen soll nun die Sandsteinplatte gezielt zum Einsturz gebracht werden.

Bei einer außerordentlichen Aufsichtsratsitzung am morgigen Freitag will die RAG über ihre zukünftige Saar-Strategie beraten. Die Hürden für eine Wiederaufnahme des Steinkohleabbaus scheinen allerdings unüberwindbar. Arbeitsminister Scholz erwartet nur noch Angaben darüber welcher Personenkreis von den Hilfeleistungen betroffen sein wird.



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