Von: Miriam Walther
"Plauener Gardine" wandert ab
Mitarbeiter planen Übernahme
Die vogtländische "Plauener Gardine" steht vor dem Aus. Das - ehemals 5 000 Mitarbeiter starke - Traditionsunternehmen arbeitet seit 1995 unter Führung der Augsburger "Albani Group". Seitdem werden am Produktionsstandort Plauen Arbeitsplätze abgebaut.
Zuletzt gab es Massenentlassungen in den Jahren 2006 und 2007. Anfang März reichte der Betriebsrat der "Plauener Gardine" Klage gegen die Albanizentrale in Augsburg ein. Grund ist die Anküdigung des Mutterkonzerns, den Standort Plauen zu schließen und damit verbundene Arbeitsplätze zu streichen. "Das werden wir auch tun", so der Geschäftsführer Alexander Albani gegenüber der dpa. Die "Albani Group" plant derzeit einen Umzug ins Ausland oder nach Augsburg. Nach Angaben der Chemnitzer Morgenpost zieht es das Unternehmen sogar in das fernöstliche Vietnam.
Name bleibt erhalten
Die Albanigruppe möchte den Namen "Plauener Gardine" zwar behalten, jedoch verschwindet der Bezug zum heimatlichen Standort. Die restlichen 47 Mitarbeiter, am Standort Plauen, wollen deshalb kämpfen. Damit das Traditionsunternehmen weiterhin in der Region bestehen bleibt.
Aber der Standort Plauen sei unwirtschaftlich, heißt es aus der Geschäftsführung. Genaueres ist jedoch nicht bekannt. Die Produktion wird voraussichtlich im Sommer verlagert. Die Pläne der Beschäftigten lägen ihm aber noch nicht vor, beteuert Albani.
Gerichtliche Auseinandersetzung
Denen hängt das Heimatunternehmen aber am Herz. Doch die Geschäftszentrale in Augsburg wünscht sich Umsatzsteigerungen. Nun soll das Zwickauer Arbeitsgericht klären, ob die Kündigungen zulässig sind. Denn seit den Massenentlassungen in den Jahren 2006 und 2007 ist vertraglich geregelt, dass es keine weiteren geben wird. Nun hat sich auch die zuständige Gewerkschaft eingeschaltet. In dieser Woche wird es Gespräche zwischen der IG Metall und der Geschäftsleitung geben.
Mitarbeiter kämpfen um ihre Arbeit
Jetzt wollen die Beschäftigten, um ihre Arbeitsplätze zu sichern, das Unternehmen selbst führen. In diesem Zusammenhang gründeten sie einen Interessenverband. "Vom persönlichen Leid ganz abgesehen, wäre es skandalös, wenn der Firmen- und Markenname untergeht", sagt die Betriebsratsvorsitzende Astrid Spatschke gegenüber der "Freien Presse".
Die Interessengemeinschaft hat inzwischen einen Unternehmensberater eingeschaltet. Dieser ist mit einer Rentabilitätsstudie beauftragt, die das Konzept der Mitarbeitergesellschaft auf Tragfähigkeit überprüft. Gegenüber der Sächsichen Zeitung (SZ) erklärt Spatschke: "Dazu gehört die Unterstützung bei der Finanzierung durch die Mitarbeiter". Angedacht ist auch die Beantragung von Fördermitteln.
100-jährige Tradition
Im sächsischen Vogtland hat die Gardinenherstellung eine 100-jährige Tradition. Vor der Wiedervereinigung hatte das Unternehmen "Plauener Gardine" 5 000 Mitarbeiter beschäftigt. Später sank deren Zahl kontinuierlich. Im Mai 1992 übernahmen die "Hans Wiebe AG" und die Textilgruppe Hof den handwerklichen Betrieb. Übrig blieben 1 000 Mitarbeiter. Als die Gardinenproduktion 1994 vor dem endgültigen Aus stand, stieg die Albanigruppe ein und übernahm 190 Beschäftigte.
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