Von: Marie Schneider
Norwegischer Konzern verkauft Werften in Deutschland
Deutsche Eisbrecher für Russland
Der norwegische Schiffsbaukonzern "Aker Yards ASA" verkauft seine beiden Werften in Wismar und Warnemünde an die russische und staatliche Kapitalbeteiligungsgesellschaft "FLC West". Damit kommen die neuen Aufträge ab Sommer 2008 direkt von der russischen Regierung.
Der weltweit führende Schiffbaukonzern "Aker Yards" mit Sitz in Norwegen kämpfte wegen des ausbleibenden Gewinn bereits seit Mitte 2007 ums Überleben. Infolgedessen räumte der damalige Chef Yrjö Julin seinen Posten. Daraufhin entschloss sich die "Aker Group", zu der "Aker Yards" gehört, zum Verkauf von drei ihrer 17 weltweiten Werften an die russische Kapitalbeteiligungsgesellschaft "FLC West" - ein staatliches Unternehmen. Die Verkaufssumme betrug 292 Millionen Euro. Bei einem Gewinn von umgerechnet 128 Millionen Euro im Jahr 2006 stellt sich die Frage, ob der Verkauf als Maßnahme galt, wieder neues Geld in die Kassen zu spülen?
Lukratives Geschäft für beide Seiten
Die "Aker Group"-Leitung meint, es sei ein lukratives Geschäft für beide Seiten gewesen. Tom Einertsen, Leiter der Handelsschiff-Sparte bei "Aker Yards" äußerte jedoch: "Ich glaube nicht, dass es ein Schnäppchen für die Russen ist".
Neben den zwei deutschen Werften in Wismar und Warnemünde ist auch eine ukrainische Werft vom Verkauf betroffen. In den drei Schiffbauanlagen werden hauptsächlich sogenannte Kauffahrer, also Frachter und Transportschiffe hergestellt.
Angst vor Entlassung und Einsparung
Vor dem Verkauf äußerten sich Gewerkschaften skeptisch, ob die Übernahme zu Entlassungen führt. Die deutschen Werften mussten schon seit der Wende immer wieder drastische Arbeitsplatzeinstreichungen hinnehmen. So hatte allein die Wismarer Werft kurz nach der Wende noch 6 000 Beschäftigte, jetzt sind es gerade noch 1 300. Heute sind die Mecklenburg-Vorpommerner "Aker MTW Werft GmbH" und die "Aker Warnemünde Operations GmbH" der zweitgrößter Arbeitgeber.
Doch "Aker Yards" versicherte, die Übernahme durch "FLC West" werde die Auftragslage bis Ende 2010 absichern. Denn in Russland gibt es einen beträchtlichen Nachholbedarf an neuen Schiffen - ist doch das russische Durchschnittsschiff über 20 Jahre alt.
Acht Prozent Wachstum in Russland
Besonderes Interesse haben die Russen an Eisbrechern, Öl- und Spezialtankern für Chemikalien. Gegenüber dem Internetmagazin boston.com erklärte der Vorsitzender der "Aker Group", Leif-Arne Langoey: "Mein Unternehmen ist immer daran interessiert, die eigenen Tochterunternehmen so lange wie möglich zu halten. Doch wenn es einen Käufer gibt, der dem Unternehmen eine bessere Zukunft bieten kann, dann ist ein Verkauf nicht abzuwenden."
Experten erwarten auf dem russischen Schiffbaumarkt zukünftig ein Wachstum von acht Prozent. Aus der offiziellen Pressemitteilung der "FLC West" geht zudem hervor, dass keinerlei Veränderungen in der Organisation und Beschäftigtenzahl beabsichtigt werden.
Auftraggeber ist bestens bekannt
Schon einmal in der Geschichte produzierten die beiden ostdeutschen Werften für den östlichen Riesen. Denn die in der ehemaligen DDR produzierten Schiffe gingen hauptsächlich in die Sowjetunion. Wie sich die Situation langfrsitig entwickeln wird, bleibt ungewisse. Doch bis 2010 wird sich vorerst nicht viel ändern.
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