Von: Markus Drowatzky
Sachsen Leipzigs Pleite hat auf Zentralstadion keine Auswirkung
Problemfall: Leipziger Fußball
Der Fußballverein Sachsen Leipzig ist insolvent und kann das Zentralstadion nicht weiter nutzen. Probleme mit der geringen Nutzung sieht auch Geschäftsführer Winfried Lonzen im Gespräch mit medien-mittweida.de.
Nur die Fußballnationalmannschaft sorgte dafür, dass das Leipziger Zentralstadion in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Beim Spiel der Deutschen gegen Liechtenstein war die Stimmung im ausverkauften Rund sehr gut und die Kassen der Stadionbetreiberfirma ZSL füllten sich. Doch im Tagesgeschäft sind volle Kassen für Winfried Lonzen eine Seltenheit. Der Geschäftsführer der Stadionbetreiberfirma ZSL schaut besorgt auf das kommende Jahr. "Seit der Fertigstellung des Zentralstadions ist es keinem Leipziger Fußballverein gelungen in eine dem Stadion adäquaten Liga aufzusteigen", berichtet Lonzen gegenüber medien-mittweida.de.
Dabei hätte Leipzig mit seinem Klub FC Sachsen Leipzig durchaus die Chance gehabt in eine Profiliga aufzusteigen. "Wir haben Sachsen Leipzig gefördert, indem wir das Stadion unentgeltlich zur Verfügung stellten", sagt er. Deshalb treffe den Stadionbetreiber die Pleite des Regionalligisten auch wirtschaftlich weniger hart, da die Finanzierung durch andere Einnahmen aus den verschiedenen Aktivitäten der ZSL schon seit dem Neubau des Stadions gesichert sei. "Für uns ändert sich wirtschaftlich gesehen wenig, da wir bisher durch den regionalen Fußball keine oder nur unwesentliche Einnahmen haben", sagt Lonzen. Der insolvente FC Sachsen ist mit dem Stadion ebenso wenig glücklich, da durchschnittlich 4 000 Zuschauer in der großen Arena für eine "Geisterkulisse" sorgen.
Große Events in den nächsten Monaten
Nach dem Spiel der deutschen Spitzenfußballer mit 40 500 Zuschauern kehrt nun also wieder Leere in das Stadion ein. Einzig AC/DC und Depeche Mode sorgen in Kürze mit ihren Auftritten für ein großes Publikum. Ständig ausverkaufte Ränge bleiben wohl weiterhin ein Wunsch. "Regelmäßige Veranstaltungen sehe ich derzeit leider nicht", meint Lonzen, "eher einzelne Highlights, wie DFB-Freundschaftsspiele, sicherheitsrelevante Fußballspiele und Konzerte." Besonders wichtig ist dabei, dass der Deutsche Fußballbund an Leipzig Freundschaftsspiele vergibt, damit der Stadionstandort in den Fokus der Öffentlichkeit rückt und nicht in Vergessenheit gerät.
Leipziger Fußball am Boden
Winfried Lonzen hat die Hoffnung auf Profifußball und ausverkaufte Ränge in Leipzig noch nicht aufgegeben. "Es gibt natürlich noch Optionen mit Sachsen Leipzig und Lok Leipzig, aber wir müssen zunächst den weiteren Saisonverlauf und die nächsten Jahre abwarten", meint er. Gern hätte Lonzen auch den Umzug des Drittligisten Dynamo Dresden nach Leipzig gesehen. Aufgrund von Streitigkeiten mit dem Stadionbauunternehmen HBM mussten die Dresdner zur Erfüllung der Lizenzunterlagen auf einen Ausweichstandort setzen. Letztendlich bleiben die Schwarz-Gelben in heimischen Gefilden. "Klar hätten wir Dynamo Dresden gern hier im Stadion gesehen aber mir war von vornherein klar, dass es sich dabei nur um ein Gastspiel handelt", meint Lonzen.
Mit Hertha BSC und dem Hallerschen FC stehen für die nächste Saison potentielle Interessenten für die Stadionnutzung bereit. Ob es zu einer Zusammenarbeit kommt scheint fraglich. "Wir dürfen nicht wählerisch sein und bieten jedem interessierten Fußballverein unser Stadion an", sagt Lonzen, "doch das Problem des Leipziger Fußballs wird dadurch nicht gelöst." Egal ob mit oder ohne Fußball, die Finanzierung des Stadions ist dennoch gesichert. Lonzen fügt noch hinzu, dass "wir weiter hoffen, dass eines Tages der Leipziger Fußball einen Deckungsbeitrag zur Refinanzierung des Stadions leisten kann." Trotzdem ist sichergestellt, dass Fußball in Leipzig auch aufgrund solider Wirtschaftsstrukturen eine Zukunft im Zentralstadion hat.
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