Von: Markus Drowatzky
Kommentar zur Magnetschwebetechnik
Kein Transrapid in Deutschland
Weder in München noch im Ruhrgebiet kommt es zum Bau der magnetischen Einschienenbahn. Ein tragisches Kapitel deutscher Forschung und Entwicklung.
Mit dem Rückbau der Transrapidstrecke im Emsland scheint das Magnetbahnprojekt in Deutschland endgültig gescheitert zu sein. Die Beförderung von Personen und Gütern wie in einem Science Fiction Film schwebend über einer Metallschiene ist ab Juni 2009 nicht einmal mehr auf der Teststrecke im Emsland möglich. Die Bahnschienen werden aller Voraussicht nach zurückgebaut und nicht weiter genutzt. Damit scheint das Ende des Transrapids in Deutschland eingeleitet zu sein. Das beschädigte Image seit dem tragischen Unfall im Emsland im September 2006 und die Ablehnung der Fertigstellung der Strecken im Ruhrgebiet und in München führten zu einem schleichenden Tod der deutschen Erfindung. Auch der Asienexport und die erfolgreiche Nutzung im fernen Osten konnten die Bundesregierung nicht von der Magnetschwebetechnik überzeugen. Punktgenaue Fahrpläne, Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 450 Kilometer pro Stunde und entspanntes Fahren scheinen daher im Moment mehr Science Fiction zu sein, als der Zug selbst.
Bisher zu viele Fehler gemacht
Der Bund hat seit Beginn der Planung und Forschung 1969 bereits 1,4 Milliarden Euro in das Projekt investiert. Kritisch betrachtet hat Deutschland sogar China den Weg zu neuer und flexiblerer Beförderungstechnik geebnet. Ohne deutsche Forschung und Entwicklung könnten auch Chinesen nicht mit dem Transrapid zwischen Shanghai und dem Flughafen Pudong pendeln. Deutsche Fördermittel nehmen die Chinesen dankend an.
Das Transrapid Projekt in Deutschland steht zudem ganz im Zeichen politischer Willkür und finanzieller Engpässe, denn die Projektierung der Strecke zwischen Essen, Bochum und Dortmund geriet nach dem Wahlkampf in Nordrhein-Westfahlen zur Streitfrage. Themen waren dabei ein Haushaltsdefizit in der Länderkasse und offene Finanzierungsfragen. Zudem belastete der Transrapid mögliche Koalitionspläne der damals frisch gewählten SPD und den Grünen. Die Ablehnung der schnellen Magnetschienenbahn geriet zum Koalitionsgeschenk an Bündnis 90/Die Grünen.
Auch in München scheiterte im März 2008 das wohl aussichtsreichste Transrapidprojekt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen. Offene Finanzierungsfragen, sowie gestiegene Kosten bei der Umsetzung des Bauvorhabens setzten die Anbindung schachmatt. Zudem fehlte laut Landtagsabgeordnetem Joachim Haedke die Akzeptanz des Projektes in der Bevölkerung. Zumindest berücksichtigt werden darf auch, dass die Bahn mittelbar am Planvorhaben und der Umsetzung des Transrapidprojektes beteiligt war und die direkte Konkurrenz zur S-Bahnlinie vermeiden wollte. Trotz der 2000 bis 2002 erstellten positiven Machbarkeitsstudien in beiden Fällen scheiterte der Transrapid und tritt auch vorerst in Deutschland nicht in Konkurrenz zur Deutschen Bahn.
Deutschland kein Vorreiter in Infrastruktur
Die Bundesrepublik hat es bisher nicht geschafft, jahrelange Forschung und finanzielle Förderung bis zur Serienreife an einem geeigneten Standort zu platzieren und wirtschaftlich gut nutzbar zu machen. Stattdessen schwebt die deutsche Entwicklung ins Ausland, um dort einen erheblichen, wirtschaftlichen Gewinn einzufahren. Eine Schande, möchte Deutschland doch seinen fortschrittlichen Standpunkt verdeutlichen und Vorreiter in Infrastruktur und Naturschutz sein. Eine erfolgreiche Tranrapidtrasse hätte diesem Anspruch durchaus gerecht werden können.
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