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Montag, 4. Mai, Alter: 1 Jahre » Zurück

Von: Markus Drowatzky

Strukturwandel im Ruhrgebiet fortgeschritten

Die Zechen weichen

Von den Medien im Moment ungeachtet, vollzieht sich im Ruhrgebiet ein Strukturwandel. Der Bergbau befindet sich seit Jahren auf dem Rückzug. Jens Hapke vom Regionalverband Ruhr klärt über Chancen und Probleme auf.

Das CentrO in Oberhausen ist Europas größtes Einkaufszentrum (Quelle:pixelio.de/ Foto:Dieter Schütz)

Das CentrO in Oberhausen ist Europas größtes Einkaufszentrum (Quelle: pixelio.de/ Foto: Dieter Schütz)

Wo einst Kohlezechen und Stahlwerke ihren Betrieb verrichteten, steht heute mit dem CentrO in Oberhausen das größte Einkaufszentrum Europas. Es verdeutlicht dabei, was in der von Industrie und "malochen" geprägten Region durch den Strukturwandel möglich ist. "Der Strukturwandel ist der Wandel zu einer Region neuer Prägung", beschreibt Jens Hapke vom Regionalverband Ruhr gegenüber medien-mittweida.de, "dabei steht vor allem die hohe Lebensqualität und damit die Schaffung von Freizeit-, Kultur- und Naherholungsmöglichkeiten im Vordergrund." Ebenso fällt unter diesen Begriff der Wandel von der Montanindustrie zu einer Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft. All das ist in den letzten Jahrzehnten seit Beginn der Kohlekrise 1958 im Ruhrgebiet geschehen. "Wobei im Ruhrgebiet natürlich nach wie vor die industrielle Produktion eine sehr große Rolle spielt", sagt Hapke.

Zum Vergleich: in Spitzenzeiten Mitte des 19. Jahrhunderts gab es im Ruhrgebiet rund 300 Zechen, heute sind davon sechs übrig geblieben. Deshalb haben sich vermehrt andere Industriezweige ausgebreitet. "Sehr stark ist insbesondere die Gesundheitswirtschaft gewachsen, im Moment arbeiten mehr Menschen in diesem Industriezweig als im Bergbau", meint Hapke. Durch den Strukturwandel und der damit verbundenen Wandlung, arbeiten heute nur noch circa 8,9 Prozent der Erwerbstätigen im produzierenden Sektor, 65 Prozent hingegen im Dienstleistungssektor. Viele andere Berufstätige haben Arbeit in den großen Unternehmen, die sich seit Beginn des Strukturwandels ansiedelten, gefunden. Zu den prominenten Unternehmen mit Sitz im Ruhrgebiet gehört unter anderem Aldi und Arcandor, besser bekannt als KarstadtQuelle. Der Bergbau erfuhr eine Ablösung durch Dienstleistungsgesellschaften.

Strukturwandel hat auch negative Seiten

Schön reden möchte auch Jens Hapke den Strukturwandel nicht gänzlich, weil "die Arbeitslosigkeit im Ruhrgebiet höher liegt als im übrigen Land Nordrhein-Westfalen." Die Gesamtarbeitslosenquote im Pott liegt bei circa 13,3 Prozent und damit nur unwesentlich niedriger als in Sachsen mit 14,2 Prozent. Der Bergbau war vielen Menschen Heimat und Arbeit zugleich. Durch den Wandel zu anderen Brennstoffen und effizienteren Methoden verloren viele Bergarbeiter in den letzten 50 Jahren ihren Job. Doch aufgrund der guten Infrastruktur und der Ansiedlung von zukunftsträchtigen Industriezweigen wie Mikrotechnologie und Gesundheitswesen kann das Ruhrgebiet sicher seine wirtschaftliche Vormachtstellung in Deutschland und Europa behalten und den Menschen eine Zukunft jenseits des Bergbaus bieten. "Das Ruhrgebiet ist Standort der 49 von 500 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland", erzählt Hapke und beweise damit ebenso die wirtschaftliche Stärke der Metropole. Auch in Zukunft setzt die Region den Strukturwandel von einer Malocher–Region zu einer Dienstleistungsgesellschaft mit sehr hohem Lebensstandart fort. "Irgendwann wird der Strukturwandel vollzogen sein", sagt Hapke, "doch das ist ein Prozess, der sich noch bis 2018 hinziehen wird." Dann schließt laut "Kohlekompromiss" die letzte Zeche. Damit ist aus dem einstigen Bergbaustandort endgültig ein modernes Zentrum innovativer Forschung und Entwicklung entstanden, der sich nach wie vor mit Europas wirtschaftlichen Elitezentren messen kann.



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