Von: Markus Drowatzky
Müllverbrennung bei Müllermilch scheitert
"Rohstoff, kein Brennstoff"
In Leppersdorf in der Nähe von Dresden gibt es derzeit einige Probleme um das Hauptwerk der Müller Milch AG. Von den großen Medien unbeachtet wollte Müller eine Müllverbrennungsanlage bauen. Der Plan scheitert jedoch.
Der beschauliche Ort Leppersdorf in der Nähe von Dresden war bis vor wenigen Wochen ein großes Streitobjekt. Die 1 000-Seelen-Gemeinde ist durch den Hauptsitz der Müller-Milchwerke einer der größten Arbeitgeber der Region. Trotzdem ist von den zahlreichen Problemen an diesem Standort bisher kaum etwas nach außen gedrungen. Das Milchwerk beschäftigt etwa 1 800 Arbeiter und verarbeitet am Tag einen Milchsee von circa vier Millionen Litern. Das eigentliche Problem hängt allerdings mit den Energiekosten zusammen. Allein 26 Millionen Euro benötigt der Betrieb zur Herstellung seiner zahlreichen Milchprodukte im Jahr. Eine Ersatzbrennstoffanlage sollte Abhilfe schaffen und die Energiekosten senken. Müllermilch plante dabei eine Anlage, die circa 300 000 Tonnen Müll pro Jahr verbrennt. Zum Vergleich, die Anlage in Lauta bei Hoyerswerda setzt 225 000 Tonnen pro Jahr um – den Siedlungsmüll der halben Lausitz.
Nicht nur in dieser Kategorie eine Superlative, sondern auch beim Preis. Etwa 120 Millionen Euro lässt sich Müllermilch die Müllverbrennungsanlage kosten und setzt dabei vor allem auf die hohe Rückerstattungsprämie des Staates bei der Annahme des Abfalls. Doch der Plan scheitert an den Bürgern der Gemeinde und des Umkreises. Ein Bürgerentscheid brachte Müller bereits 2006 nicht das gewünschte Ergebnis. Bis vor wenigen Wochen zeichnete sich jedoch keine endgültige Lösung ab. Nun auf einmal der Rückzug. Müller verkündet, dass das Müllverbrennungskraftwerk nicht gebaut wird. medien-mittweida.de sprach aus diesem Grund mit Befürworter Andreas Känner, ehemaliger CDU-Fraktionssprecher in Leppersdorf und Gegner Volker Kurz, Sprecher der Initiative Gesunde Westlausitz e.V., die den Planungsprozess genau verfolgt haben.
Die Ersatzbrennstoffanlage in Leppersdorf wird nicht gebaut, mit welchen Emotionen betrachten sie diese Nachricht?
Volker Kurz: Ich bin glücklich, dass ein solcher Wahnsinn in unserer Region nicht realisiert wird. Müll ist Rohstoff, kein Brennstoff. Zumal sich angesichts dieser Größe der Anlage die Frage nach der Wirtschaftlichkeit stellt.
Andreas Känner: Den Abbruch der Planungen durch die Müller-Sachsen-Gruppe habe ich bedauert. Die Verhandlungen über die konkrete Ausgestaltung des Werks waren zu diesem Zeitpunkt schon recht weit fortgeschritten, auch eine Einigung in den strittigen Punkten um den Schutz der Anwohner und der Umwelt lag in greifbarer Nähe. Immerhin wäre die Investition in Leppersdorf mitten in der Wirtschaftskrise ein Zeichen für die langfristige Sicherung von vielen Arbeitsplätzen gewesen.
Welche Gründe sehen Sie für das Scheitern des Projekts?
Volker Kurz: Hierfür gibt es mehrere Annahmen, der Anlagenbetreiber bekommt immer weniger Geld für die Annahme des Mülls, denn dieser ist knapp. Die Tätigkeit mit zahlreichen Veranstaltungen und Plakataktionen unseres Vereins "Gesunde Westlausitz e.V." dürfte ebenfalls ein Grund gewesen sein und letztlich die zahlreichen rechtlichen Schritte gegen das Kraftwerk.
Andreas Känner: In allererster Linie meine ich, hat sich der gesamte Planungsprozess zu lange hingezogen. Das lag neben langen behördlichen Prozessen aber auch an der Opposition im Gemeinderat. Diese hat zu keinem Zeitpunkt ernsthaft versucht, mit dem Unternehmen gemeinsam einen guten Kompromiss in dieser Angelegenheit zu finden, der wiederum sowohl von den Bürgern als auch vom Unternehmen hätte getragen werden können. Stattdessen wurde am Ende sogar versucht, die eigenen Gemeinderäte zu verklagen, um so das Vorhaben in jedem Fall zu verhindern. So kann man meines Erachtens mit dem wichtigsten Arbeitgeber im Landkreis nicht umgehen – hier wurde eine Vertrauensbasis zerstört, was letztlich sicherlich den Ausschlag für den Planungsstopp gegeben hat.
Welche Risiken sind mit der Entscheidung verbunden das Kraftwerk nicht zu bauen?
Volker Kurz: Meiner Meinung nach sind damit keine Risiken verbunden. Schaut man sich die Zahlen an, dann ist ersichtlich, dass Müller bei einem Gesamtumsatz von 2,5 Milliarden Euro in Leppersdorf nur ein Prozent dieses Umsatzes in Energiekosten investieren muss. Lassen sich also durch Senkung dieser Energiekosten Arbeitsplätze und damit den Standort Leppersdorf sichern? Wohl eher nicht. Sicherlich ist die Senkung der Energiekosten und die Unabhängigkeit von den Schwankungen der Energiepreise ein wichtiges ökonomisches Erfordernis, aber den Bau eines völlig überdimensionierten Kraftwerkes rechtfertigt dieses nicht.
Andreas Känner: Ich hoffe natürlich, dass in Leppersdorf auch in zwei Jahrzehnten noch Milch produziert wird. Mit dem Ersatzbrennstoff-Kraftwerk hätte man Müller und 1 800 Arbeiter sicher an diesem Standort halten können. Nun muss die Gemeinde sehen, dass sie mit der Müllergruppe weiterhin eine vertrauensvolle Zusammenarbeit schafft.
Wir bedanken uns für die Interviews.
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