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Mittwoch, 27. Mai, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Markus Drowatzky

Kommentar zur Porsche-VW Übernahme

Fast Opel-Verhältnisse

Die Sportwagenschmiede Porsche überraschte vor wenigen Wochen zahlreiche Experten mit der Ankündigung VW zu übernehmen. Der Porsche-Traum scheiterte allerdings am VW Gesetz. Der Plan war auf falschen Hoffnungen aufgebaut.

Das neue Logo für den Porsche Größenwahn. (Quelle: flickr.com/ Foto: DeeJay1/ dave_7/ Montage: Alexander Haase)

Das neue Logo für den Porsche Größenwahn. (Quelle: flickr.com/ Foto: DeeJay1/ dave_7/ Montage: Alexander Haase)

Der Autohersteller Porsche liebt den großen Auftritt. Das Familienunternehmen aus Stuttgart gab vor wenigen Wochen die geplante Übernahme des VW-Konzerns an und machte damit auf sich aufmerksam. Doch die Übernahme ist bis heute nicht vollzogen und wird wohl auch nicht stattfinden, denn Porsche-Chef Wendelin Wiedekind hat sich schlicht und ergreifend verzockt. Die Übernahme von VW ist durch das VW-Gesetz nahezu unmöglich. Das Gesetz regelt die Mitspracherechte der einzelnen Aktionäre der Volkswagen AG. Allerdings besitzt jeder Großaktionär unabhängig von den Aktienanteilen eine Unternehmensbeteiligung von 20 Prozent und Niedersachsen als Aktionär zudem ein Vetorecht.

Wiedekind baute seine gesamte Taktik der Volkswagen Übernahme darauf auf, dass die EU das VW Gesetz als unzulässig erklärt und Porsche damit seine Aktienanteile in Höhe von 51 Prozent ausspielen kann. Damit wäre die Übernahme perfekt gewesen. Die EU hat zwar rechtliche Schritte gegen das umstrittene Gesetz eingeleitet, jedoch ist nicht mit einer schnellen Lösung zu rechnen. Das könnte für Porsche womöglich schon zu spät sein. Wiedekind war bisher nicht als größenwahnsinnig und naiv bekannt. Jetzt muss das Bild des Porschechefs womöglich korrigiert werden.

Porsche hat sich überhoben

Der Konzern steckt derzeit mit fast neun Milliarden Euro in der Krise. Nur Kredite der KfW und anderer Banken sowie ein VW-Darlehen in Höhe von 700 Millionen Euro sichern den Fortbestand der Produktion. Porsche hat sich mit der geplanten Übernahme selbst ein Grab geschaufelt. Vor kurzem laut SPIEGEL noch der profitabelste Autokonzern der Welt, nun nur noch ein Schuldensumpf ohne Perspektive. Den Stuttgartern droht ein weiteres Problem: Die Anteile an VW liegen zu 20 Prozent als Bürgschaften bei den kreditgebenden Banken. Sollten wichtige Kredite nicht bezahlt werden, droht der Verkauf der VW-Aktien durch die Kreditgeber. Ein Fiasko, das sich der Porsche Chef wohl nicht ausmalen möchte, denn dann sinkt der Preis der Aktie ins Bodenlose und der Verlust für Porsche wäre kaum zu beziffern. Die Weitsicht bei dem größenwahnsinnigen Plan fehlte. Das kommt Porsche nun teuer zu stehen.

Die (mögliche) Lösung

Viele Banker sehen die Lösung darin, dass VW Porsche übernimmt und damit ein Zweckbündnis schafft. Porsche wäre aufgrund der VW-Bargeldreserven in Höhe von zehn Milliarden Euro gesichert und so gut wie schuldenfrei, VW hätte keine Angst mehr vor der drohenden Übernahme durch die Stuttgarter. Auch die EU begrüßt diesen Vorschlag. Spielverderber könnte nur Christian Wullf sein. Der Ministerpräsident von Niedersachsen will nur kein Veto einlegen, wenn Porsche mindestens so viel Vermögenswert in das Bündnis einbringt, wie Schulden. Dieser Plan hat Hand und Fuß, wenn Niedersachsen mitspielt. Dennoch die einzige Lösung, die die Pleite umgeht.

Unabhängig davon sind viele Fehler passiert. Wiedekind sind nach der Porscherettung 1993 und dem anschließenden Aufstieg des Konzerns seine Visionen zu Kopf gestiegen. Dieser Traum scheint auch den Mehrheitseigentümer Familie Porsche übermannt zu haben, denn sie haben bei der Ausarbeitung des Plans kein Scheitern vorgesehen. Ein Plan B fehlt bis heute, stattdessen muss nun ein traditionsreicher Automobilkonzern um das nackte Überleben kämpfen und darf froh sein unter VW-Mithilfe nicht insolvent zu gehen. Eventuell wäre nun sogar eine Insolvenz das Beste für Porsche um VW die Übernahme so leicht wie möglich zu machen und das Vetorecht Niedersachsens zu umgehen. Es scheinen fast Opel-Verhältnisse in Stuttgart einzutreten.



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