Von: Richard Kaestner
Bund fördert Elektromobilität mit 500 Millionen Euro
Steckdose statt Zapfsäule
Bis 2020 sollen nach Plänen der großen Koalition eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren. Sachsen wird im Rahmen der staatlichen Förderung zur Modellregion. Den Grünen geht das Programm der Bundesregierung allerdings nicht weit genug.
Die schwindenden Erdölreserven und der drohende CO2-Kollaps erfordern neue Konzepte für den Individualverkehr. Die Bundesregierung investiert in die Zukunft und baut auf ein 500-Millionen-Euro-Programm, mittels dessen Millionen Elektroautos und -busse auf Deutschlands Straßen gebracht werden sollen. Aus dem Konjunkturpaket II finanziert, soll vor allem die Machbarkeit verschiedener Konzepte erprobt und neue Modelle entwickelt werden. Ziel ist, Deutschland im globalen Wettbewerb zu einem Leitmarkt für Elektromobilität zu etablieren. Daher haben die Koalitionsfraktionen die Bundesregierung in einem Antrag aufgefordert, den "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität" zügig fertigzustellen.
Der derzeitige Plan bis 2020 ist den Grünen nicht ehrgeizig genug. "Unser Ziel sind zwei Millionen Elektrofahrzeuge bis 2020, die mit grünem Strom fahren", sagt der Bundestagsabgeordnete Peter Hettlich (Bündnis 90/Die Grünen) gegenüber medien-mittweida.de. Das Mitglied des Verkehrsausschusses fordert ein jährliches Marktanreizprogramm in Höhe einer halben Milliarde Euro. "Wir schlagen dafür bis zu 5.000 Euro pro Fahrzeug ab 2010/11 vor, was dann zweijährig abgesenkt wird", so Hettlich. Derartige Zuschüsse seien bereits auf anderen großen Automobilmärkten, wie den USA, Frankreich und Großbritannien üblich. Die Anträge von Grünen und FDP zur näheren Ausgestaltung des Förderungsplans über Emissionsschutz und Marktanreizprogramme bekamen jedoch bisher keine Mehrheit im Bundestag.
Über den Plug-In-Hybrid zum reinen Elektroauto
Ende des Jahres sollen die ersten Plug-In-Hybride in Deutschland auf den Markt kommen. Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge verbinden die Vorteile von Batteriefahrzeugen und Benzinfahrzeugen. Auf kurzen Strecken fährt das Auto mit elektrischem Antrieb und damit emissionsfrei. Für längere Fahrten steht ein Verbrennungmotor bereit, der zuschaltbar ist, wenn die Batterie leer ist. Zusätzlich ist die Batterie über das Stromnetz extern aufladbar, daher die Bezeichnung Plug-In.
Kaum ein Automobilhersteller tüftelt derzeit nicht an eigenen, zukunftsfähigen Modellen. So bringt Mitsubishi das erste Serien-Fahrzeug mit reinem Elektroantrieb auf den Markt. Bereits Ende Juli startet die Auslieferung in Japan. Hettlich unterstreicht die Entwicklungen: "Es ist Zeit, die Technik jetzt auf die Straße zu bringen."
Abschreckend sind bisher allerdings die hohen Fahrzeugpreise. "Die Fahrzeughersteller müssen für die Markteinführung von Elektrofahrzeugen derzeit erhebliche Mittel aufwenden", sagt Andrea Mörke von der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit (SMWA). Es mangele derzeit an kostengünstigen Energiespeichern. Die Förderprogramme sollen dazu beitragen, vor allem die Technologien und Produkte für leistungsfähige Energiespeicher zu entwickeln, um sie dann in großen Stückzahlen und damit kostengünstig produzieren zu können. "Es ist zu erwarten, dass damit auch der Verkaufspreis für Elektrofahrzeuge sinkt", sagt Mörke optimistisch.
Sachsen als Modellregion
Im Zuge des Förderungsprogramms ernannte der Bund aus 130 Bewerbern nun acht Regionen, die die neue elektrische Mobilität erproben dürfen. Neben Berlin/Potsdam, Bremen/Oldenburg, Hamburg, München, Rhein-Main, Rhein-Ruhr und Stuttgart ist darunter auch Sachsen. Schwerpunkt sind dabei die Ballungsräume Leipzig und Dresden. Laut dem sächsischen Wirtschaftsministerium sollen innovative, mittelständische Unternehmen von der Förderung profitieren. "Durch Einbindung in konkrete Projekte, durch Kooperationen und Partnerschaften mit Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen können sich diese fit für den Zukunftsmarkt Elektromobilität machen", erklärt Andrea Mörke vom SMWA. Den acht Regionen stehen insgesamt 115 Millionen Euro aus dem Fördertopf zur Verfügung.
Peter Hettlich vom Bündnis 90/Die Grünen sieht insbesondere die Batterietechnik als Schlüsseltechnologie für die Mobilität des 21. Jahrhunderts. "Mit der Firma Li-Tec in Kamenz, die Hochleistungs-Lithium-Ionen-Akkus für die Autoindustrie herstellt, kommt ein weltweit führendes Unternehmen aus Sachsen", so Hettlich. Es gälte jetzt, diese Technik so schnell wie möglich in den Markt zu bringen und die Erfolgsgeschichte der erneuerbaren Energien zu wiederholen.
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